Physiotherapeutin Ute Hausmann Physiotherapeutin Ute Hausmann Foto: Siegfried Jähne

Prostatakrebs: Die Angst vor Inkontinenz

Teil 2 unserer großen Serie "Spitzen-Medizin in Wuppertal": Prostatakrebs - die Angst vor Impotenz und der Inkontinenz geht um!

Aus unserer April-Print-Ausgabe - Wuppertal, 12.04.2018 - Die Diagnose Prostatakrebs macht den meisten Betroffenen große Angst und ist daher seelisch sehr belastend. Prostatakrebs ist in Deutschland bei Männern die häufigste Krebserkrankung, und nach dem Lungen- und Darmkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Die genaue Ursache von Prostatakrebs ist nicht bekannt. Ob ein sehr aktives Sexualleben oder häufige Ejakulationen das Risiko für Prostatakrebs erhöhen, ist bislang jedenfalls umstritten.

In Deutschland erkranken etwa 63.500 Männer jährlich neu an Prostatakrebs, auf Wuppertal bezogen sind das immerhin noch etwa 300 Neuerkrankungen. Diese dürften sich hier indessen medizinisch bestens versorgt fühlen, denn im Stadtgebiet gibt es nicht weniger als 29 gemeldete Urologen, elf Urologie-Fachpraxen sowie mit dem „Helios Prostatazentrum“ zudem eine klinische Versorgung, die im „Focus Gesundheit“ zur absoluten deutschen Spitzengruppe geführt wird.

Helios-Chefarzt Professor Stephan Roth findet dabei in der Rubrik „von Kollegen empfohlen“ eine besonders hohe Bewertung. Aber auch der in Elberfeld niedergelassene Dr. Gleißner ist in der bundesweiten Rangliste ganz oben platziert.

Prostata-Tumore sind oft bereits im Frühstadium erkennbar, was die Therapiemöglichkeiten und damit die Heilungschancen dann naturgemäßes günstig beeinflusst. Vorsorgeuntersuchungen werden ab dem 45. Lebensjahr empfohlen. Das bedeutet rektale Tastuntersuchung sowie ein PSA-Test auf Antigene im Blut.

Die Aussagekraft des PSA-Wertes für sich allein ist umstritten, weil er verschiedene Einflussfaktoren haben kann. Sobald der Wert allerdings heute auf über den Wert „vier“ steigt, gilt er als überhöht und damit als „abklärungsbedürftig“. Dies geschieht mittels Stanzbiopsie, indem die Darmwand mit einer Punktionsnadel in der Regel drei bis 12 mal durchstochen wird.

Dabei muss man wissen, dass etwa 70 Prozent der 70-Jährigen tatsächlich Prostatakrebs haben, aber nur zwei Prozent davon daran versterben. Das ist der Grund dafür, dass vielen Patienten unter bestimmten Voraussetzungen inzwischen nicht mehr zur sofortigen Operation, sondern zur aktiven Überwachung des Tumors geraten wird.

Mitentscheidend für die Therapie ist das Alter des Patienten und das Tumorstadium, das nach verschiedenen Kriterien bestimmbar ist (Grading und Gleason-Score). Mögliche Therapie-Alternativen können sein: Die Strahlentherapie, die fokalen Therapie (hier wird nicht die gesamte Prostata behandelt) oder aber die radikale Entfernung der Prostata (Prostatektomie).

„Da Vinci“ als Operationsmethode

Für die Prostatektomie gibt es deutschlandweit große Behandlungszentren. Neben offenen Operationen, d.h. „klassische“ Eröffnung der Bauchdecke, werden in spezialisierten Kliniken auch andere Verfahren eingesetzt. Aus den USA kommend, hat sich auch bei uns die minimal-invasive roboter-assistierte radikale Prostatektomie mit dem da Vinci-Operationssystem zur führenden Methode entwickelt.

Fachleute sehen in den verschiedenen Methoden im Ergebnis keine signifikanten Unterschieden, sagen aber, dass es immer auf die Erfahrungen des Operateurs wesentlich ankommt. Zu diesem Thema laufen derzeit noch Studien. In Wuppertal wird vor allem die offene Operation angeboten.

Ein „Da Vinci-System“ steht nicht zur Verfügung, weshalb es Patienten oft in die Nachbarstädte oder sogar bis nach Hamburg (Martiniklinik) führt. Der in Wuppertal niedergelassenen Dr. Yadollah Davoudi (Urologie Barmen) operiert als ausgebildeter „Da Vinci-Trainer“ seine Patienten im Essener Krupp- Krankenhaus.

Die Entfernung der Prostata ist heikel: Auf beiden Seiten des Organs verlaufen feinste Geflechte aus Blutgefäßen und Nerven, die intakt bleiben müssen. Werden sie verletzt, könnte der Patient später inkontinent und/oder impotent sein. Inkontinenz stellt sich indessen zunächst nach jeder Operation ein, weil neben der Prostata auch Abschnitte der Harnröhre und des inneren Schließmuskels entfernt werden müssen. Der äußere, willkürliche Schließmuskel muss dann Aufgaben übernehmen, die ihm bis dahin unbekannt waren. Hierzu bedarf es in der Regel eines speziellen Trainings.

„Sich in die Hosen machen, ist ein Tabu"

Die Helios Rehaklinik Bergisch-Land in Ronsdorf bietet hier gute Leistungen an. Besonders die Physiotherapeutin mit Zusatzausbildung für den männlichen Beckenboden, Ute Hausmann, genießt dort einen überragenden Ruf.

Sie gefällt nicht nur durch ihr burschikoses Wesen: „Meine Männer müssen erst einmal den Leistungsgedanken ablegen und sich an die neuen anatomischen Veränderungen gewöhnen, sich in die Hosen machen, ist ein Tabu". Das gehe nicht von jetzt auf gleich, sagt sie. Und weiter: „Kontinenz beginnt im Kopf, nicht im Körper“. Mit einem gezielten Kontinenztraining in der Rehaklinik haben Betroffene gute Chancen, wieder kontinent zu werden.

Text: Siegfried Jähne

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