Religionsübergreifende  Bestattungen ©Pixinoo/fotolia.com

Religionsübergreifende Bestattungen

Ab 2018 wird Wuppertal die einzige Stadt in Deutschland sein, die einen Friedhof besitzt, auf dem Christen, Muslime und Juden nebeneinander bestattet werden. Grund für uns, einmal aufzuzeigen, wo die Unterschiede bei den Bestattungsritualen liegen.

Wuppertal, 15.August 2016. Islamische Bestattungen finden noch heute nach einem jahrhundertealten Ritus statt. Dazu gehört, dass alle Gräber auf islamischen Friedhöfen oder Grabfeldern nach Mekka ausgerichtet sind. Dabei wird der Verstorbene auf seine rechte Seite gelegt, sodass sein Gesicht nach Mekka zeigt.

Anders als bei den Christen werden Muslime nicht in Särgen bestattet, sondern stattdessen nach der traditionellen Waschung in ein weißes Leinentuch gehüllt, mit dem sie auch bestattet werden.
Bevor das Grab mit Erde geschlossen wird, werden Holzbretter wie ein Dach über den Leichnam gelegt. Die Bestattung sollte bei Muslimen innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod erfolgen.

Gräber erinnern an das Jenseits

Die Gräber werden nicht bepflanzt, sondern lediglich mit einem einfachen Grabstein versehen. Grabschmuck, Steine oder Kreuze gibt es bei den Muslimen ebenfalls nicht. Die Gräber sollen so einfach wie möglich gestaltet werden, denn sie erinnern nicht an den Toten selbst, sondern an das Jenseits.

Bei den Muslimen gilt die ewige Grabruhe, das heißt, ihr Grab wird nicht nach Ablauf einer gewissen Frist an einen anderen Toten weitergegeben. Jedes Grab darf nur einmal belegt werden.

Auf jüdischen Friedhöfen sind die Gräber ebenfalls in eine bestimmte Richtung ausgerichtet. Die Grabsteine zeigen in Richtung Osten, dem Sonnenaufgang und Jerusalem entgegen.
Eine weitere Gemeinsamkeit zum Islam besteht darin, dass auch die Menschen jüdischen Glaubens ihre Verstorbenen in Leinentücher wickeln. Nach jüdischer Tradition soll der Körper in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren und zu Erde werden. Leinentücher ermöglichen einen schnelleren Zerfall des Körpers und somit ein früheres Erreichen dieses Zustandes.

Ein Säckchen mit Erde aus Israel

Viele Menschen jüdischen Glaubens hegen den Wunsch, in Jerusalem begraben zu werden. Da es nicht möglich ist, alle Juden in Israel zu bestatten, legt man vielen Verstorbenen ein Säckchen mit Erde aus Israel unter den Kopf. Das Begräbnis findet traditionell noch am Todestag statt, spätestens aber drei Tage später. Auf Blumenschmuck und prunkvolle Verzierungen wird während des Begräbnis verzichtet, denn es soll deutlich werden, dass im Tode alle gleich sind.

Anders als im Christentum werden auch die jüdischen Gräber nicht bepflanzt, sondern schlicht gehalten. Es werden Steine auf das Grab gelegt. Dieser Brauch ist auf die nomadische Zeit zurückzuführen, denn damals schützten Steinhügel den Leichnam vor Tieren. Diese Steine trugen somit grundlegend zur Erhaltung des Grabes bei. Auch heute noch legen Angehörige bei ihrem Besuch symbolisch kleine Kieselsteine auf das Grab.

Eine weitere Besonderheit ist die Verzierung der Steine durch Symbole, die die Herkunft der Toten zeigen soll. Der besser bekannte und später mehr und mehr verbreitete Davidstern war lediglich eine Reaktion der Juden auf den im 19. Jahrhundert stärker werdenden Antisemitismus. Wie bei den Muslimen gilt auch bei den Juden die ewige Totenruhe. Demzufolge dürfen die Gräber nicht neu belegt werden.

Über gesetzliche Bestimmungen zu verschiedenen Bestattungsritualen und deren Ausprägung in Deutschland lesen Sie morgen mehr auf www.diestadtzeitung.de.

Text: Nina Gottwald

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