Die Stadtzeitung hat nachgefragt: Wie entstehen eigentlich neue Studiengänge?

Gleich zwei neue Master-Studiengänge bietet die Bergische Uni ihren Studierenden an. Doch wie entstehen eigentlich neue Studiengänge?

Aus unserer Print-Ausgabe. Zwei neue Masterstudiengänge werden im kommenden Wintersemester an der Bergischen Universität Wuppertal angeboten: Der Master „Geistes- und Kulturwissenschaften“ sowie der Master „Public Interest Design“. Wir haben uns gefragt: Wie entstehen neue Studiengänge überhaupt und was hat es mit den beiden neuen Master-Angeboten auf sich?

„Unsere Bachelor-Angebote im Bereich Design sind bisher eher praktisch orientiert, der neue Master ‚Public Interest Design‘ bietet daher eine theoretische Abrundung des Studiums“, erklärt Andreas Frommer, Prorektor der Bergischen Universität Wuppertal. Generell erhebt die Bergische Uni den Anspruch, zu jedem Bachelor-Studiengang auch einen darauf aufbauenden Master anzubieten – und der fehlte in diesem Bereich bisher. Inhaltlich befasst sich der Master mit der Möglichkeit, durch Design an der Gestaltung öffentlicher Angelegenheiten teilhaben zu können und in Verantwortung gegenüber der Gesellschaft Prozesse des Wandels durch Design aktiv mitzugestalten.

Auch der neue Master „Geistes- und Kulturwissenschaften“ hat eine Besonderheit aufzuweisen. „Konzipiert ist er als Zwei-Fach-Master, der dann sozusagen auf das Angebot unserer Zwei-Fach-Bachelor aufbaut. So haben Studierende die Möglichkeit, sich breiter für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren“, sagt Andreas Frommer. Bisher mussten Studierende der Geisteswissenschaften sich im Master für ein Fach entscheiden – nun wird ihnen die Möglichkeit geboten, ihre Bachelor-Studienfächer auch im Master parallel weiter zu vertiefen.

Interessengeleitet, aber auch breit gefächert – So sollten gerade Studierende der Geisteswissenschaften Frommers Meinung nach ausgebildet werden. „Gerade in den Geisteswissenschaften ist das Berufsfeld sehr eng, also sollte man breit qualifiziert sein, um für den Arbeitsmarkt die besten Chancen mitzubringen“, ergänzt er. Anknüpfungspunkte an die Berufspraxis soll es laut Frommer in diesem Master ebenfalls geben. „Um Geisteswissenschaftlern Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen, organisieren wir bereits in den Fachmastern den sogenannten Jobtalk, in dem Referenten aus unterschiedlichsten Fachrichtungen über die Praxis verschiedener Berufe referieren.“

Doch wie entsteht überhaupt ein neuer Studiengang und wie viel Zeit nimmt die Entwicklung von der Idee bis zur Umsetzung in Anspruch? „Neue Studiengänge entstehen immer in der Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden“, erklärt Frommer. „Es gibt keine Regelungen, wie oft ein neuer Studiengang an der Uni etabliert wird, wir orientieren uns am Bedarf der Studierenden. So bietet zum Beispiel der neue Master „Geistes- und Kulturwissenschaften“ eine interessante Alternative zum Lehramtsstudium.“

Entsteht die Idee für einen neuen Studiengang, wird eine Kommission eingesetzt, um die Ressourcen zu prüfen. Sind entsprechende Ressourcen vorhanden, beantragt der Fakultätsrat die Einrichtung des Studienganges, das Rektorat fällt schließlich die Entscheidung. „Die Einrichtung des Masters ‚Geistes- und Kulturwissenschaften‘ dauerte insgesamt zwei Jahre. Normalerweise nimmt der Weg von der Idee bis zur Einrichtung nur ein Jahr in Anspruch“, so Andreas Frommer. Anschließend steht nur noch eine offizielle Akkreditierung (Begutachtung) zu Beginn des Studienganges aus, die nach fünf Jahren wiederholt wird.

Dass ein Studiengang wieder eingestellt wird, passiert an der Bergischen Universität eher selten. „Aktuell wird leider der Masterstudiengang Europäistik eingestellt“, erklärt Frommer. „Als Masterstudiengang, der nur auf ein Jahr ausgelegt ist, bildet er jedoch eher eine Ausnahme und passt nicht zu unserem gängigen Bachelor-Master-System.“ Ein weiteres Problem bestand laut Frommer in der Kündigung der Kooperation von Seiten der Partneruniversität in Kaliningrad. „Aber auch hier werden wir über eine verbesserte Neuauflage des Studienganges nachdenken.“

Vorschriften für eine Mindestanzahl an Studierenden für einen Studiengang gibt es nicht, da an der Bergischen Universität Kurse häufig fächerübergreifend angeboten werden. „Wir haben auch Masterstudiengänge mit einer einstelligen Zahl an Studierenden, doch da wir Kurse für verschiedene Studiengänge öffnen, stellt das kein Problem für uns dar“, erläutert der Prorektor.

Schon jetzt ist er gespannt auf die Anmeldezahlen für die beiden neuen Studiengänge. „Ich würde schätzen, dass wir für den Studiengang ‚Public Interest Design‘ möglicherweise 20 Studierende gewinnen können, für den Master ‚Geistes- und Kulturwissenschaften‘ vielleicht 30 - 40 neue Studierende. Doch wir werden uns überraschen lassen müssen.“

Text: Hannah Florian

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