Prof. Dr. Frank Einer Prof. Dr. Frank Einer Foto: Bayer AG

Bayer: Neues Medikament - Hoffnung für Millionen

Neues Medikament - Hoffnung für Millionen. Das von Bayer in Wuppertal entwickelte Präparat "Finerenone" soll 2021 auf dem Markt eingeführt werden.

Aus unserer Juni-Print-Ausgabe - Wuppertal, 06.06.2018 - Diese Nachricht macht Millionen Menschen auf der ganzen Welt Hoffnung. "Finerenone" heisst das neue Präparat, das von Bayer-Forschern in Wuppertal entwickelt wurde. Es kann - wie Studien belegen - vielen Patienten helfen, die an Diabetes mellitus Typ 2 in Verbindung mit einem Nierenschaden leiden. Dr. Holger Weintritt, neuer Standortleiter der Niederlassung Wuppertal, geht davon aus, dass "Finerenone" 2021 in den Markt eingeführt wird.

Auf einer Pressekonferenz stellte Prof. Dr. Frank Eitner, Leiter des Herz-Kreislauf & Nieren-Forschungszentrums in Aprath, das Präparat "Finerenone" vor. Es ist das Ergebnis von über 15 Jahren harter Forschungsarbeit. Dafür wurden allein über eine Million Substanzen geprüft.

Das Medikament hilft bei Nierenschäden, die sehr häufig eine Folgeerkrankung von Diabetes mellitus Typ 2 sind. Patienten scheiden mit dem Urin zu viel Eisweiß aus. In einer Studie mit 100 Patienten aus aller Welt, die alle an Diabetes mellitus Typ 2 und zum großen Teil unter schweren Nierenschäden litten, konnte nachgewiesen werden, dass "Finerenone" nach 90 Tagen die Proteinausscheidung um 40 Prozent reduziert. Und das bei Einnahme einer 20 mg-Tablette pro Tag nahezu ohne Nebenwirkungen.

Ein medizinischer und pharmakologischer Meilenstein. Prof. Dr. Frank Eitner: "In den USA gab es 2012 über 600.000 Menschen, deren Nieren nur noch mit 15 Prozent arbeiteten und die deshalb auf eine Dialyse oder eine Nierentransplantation angewiesen waren. Tendenz steigend! In Asien sagen Experten u.a. aus Folge falscher Ernährung einen Tsunami an Diabetes mellitus Typ 2 und somit  schwere Nierenerkrankungen voraus.“

Die Niere ist zwar das einzige Organ, bei deren Versagen ein Mensch weiterleben kann. Aber das geht fast immer mit einem großen Verlust an Lebensqualität einher. Prof. Dr. Frank Eitner: "Viele Patienten müssen dreimal in der Woche zur Dialyse, die dann jeweils fünf bis sieben Stunden dauert. Und Spendernieren gibt es viel zu wenige." Zudem kosten Dialyse-Behandlungen, auf die ein Patient ein Leben lang angewiesen ist - es sei denn, er bekommt eine Spenderniere - die Krankenkassen sehr viel Geld.

Prof. Dr. Frank Eitner betont ausdrücklich, dass das in Wuppertal entwickelte Medikament eine geschädigte Niere nicht heilen oder regenerieren kann, aber durch die Eiweißreduktion dafür sorgt, dass der Krankheitsverlauf gestoppt oder entscheidend verlangsamt wird. Beispiel: Ein Patient, der im Normalfall in zwei Jahren auf regelmässige Dialysen angewiesen wäre, erreicht diesen kritischen Punkt erst nach sieben Jahren.

Seit 2016 läuft eine weltweite Studie mit insgesamt 11.400 Patienten. Die größte, die es je im Bereich Diabetes mellitus Typ 2 in Verbindung mit Nierenerkrankungen gab. 2020 sind die Studien abgeschlossen. Mit der Markteinführung rechnet Bayer im Jahr 2021.

Wenn "Finerenone" schließlich in den Apotheken landet, werden Forschung und Entwicklung des Präparates, an der rund 200 Bayer-Mitarbeiter beteiligt waren, zwischen 1,5 und zwei Milliarden Euro verschlungen haben. Prof. Dr. Frank Eitner: "Wir kennen den momentanen Stand der Studie nicht. Und bis ein Medikament von den Gesundheitsbehörden letztlich zugelassen wird, kann bis zur letzten Sekunde etwas passieren. Aber wir sind von unserer Forschungsarbeit überzeugt und sehr optimistisch.“

Sorgen, dass ihnen ein anderes Pharma-Unternehmen zuvor kommt, müssen sich die Wuppertaler Forscher nicht machen. Prof. Dr. Frank Eitner: "Wir haben 2010 ein Stoffpatent angemeldet, das bis zum Jahr 2035 gilt."

Mit „Finerenone" ist das Forschungs- und Entwicklungszentrum Aprath (ca. 1.580 Wissenschaftler) auf dem besten Weg, die Erfolgsgeschichte des Bayer-Standortes Wuppertal fort zu schreiben.

Nicht ohne Stolz verweisen Dr. Holger Weintritt und sein Stellvertreter Dr. Mike Matthäus darauf, dass die Wirkstoffe von sechs der zehn umsatzstärksten Pharma-Produkte in Wuppertal hergestellt werden. Top-Produkt ist erneut der orale Gerinnungshemmer Xarelto®, dessen Wirkstoff Rivaroxaban in Wuppertal erfunden wurde. Das Produkt feiert diesjährig ein kleines Jubiläum: Vor genau zehn Jahren wurde Xarelto® durch die Europäische Kommission für die Anwendung bei erwachsenen Patienten nach selektiven Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen zugelassen.

Weitere Top-Produkte sind das Krebsmedikament Nexavar® (Wirkstoff: Sorafenib), der Blutdrucksenker Adalat® (Nifedipine), das Diabetesmedikament Glucobay® (Acarbose), das Krebsmedikament Stivarga® (Regorafenib), Adempas® (Riociguat) gegen Lungenhochdruck, deren Wirkstoffen aus Wuppertal stammen. Eylea® (Aflibercept) zur Behandlung verschiedener Erkrankungen der Netzhaut.

Text: Peter Pionke

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