Kick-Off-Veranstaltung der Transformationsstadt Kick-Off-Veranstaltung der Transformationsstadt

Wuppertal macht sich zukunftsfähig!

Unsere Stadt stand letzten Monat im Zeichen des Wandels.

Aus unserer Print-Ausgabe. Stellen Sie sich vor, ein Wunder würde geschehen und alle Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen wären plötzlich zufrieden. Was ist passiert? Eine mögliche Antwort: Menschen sprechen gemeinsam über Prozesse in ihrer Stadt und gestalten diese mit. Da das genauso gerade in Wuppertal passiert, könnte man sagen, dass das Wunder hier eingetroffen ist.


Diese Antwort war eine von vielen beim Gedankenexperiment auf der Kick-Off-Veranstaltung von „Transformationsstadt“ im Mirker Bahnhof im Mai. Erstmals standen Vertreter vier großer Wuppertaler Institutionen auf einer Bühne, um den Wuppertalern ihre neue Plattform „Transformationsstadt“ vorzustellen: Neue Effizienz, Wuppertal Institut, Utopiastadt und TransZent. Oberbürgermeister Andreas Mucke und Staatssekretär Michael von der Mühlen (Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW) waren gekommen, um die zahlreichen Gäste zu begrüßen. Nach einer Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Maria Behrens von TransZent, Matthias Wanner vom Wuppertal Institut, Christian Hampe von Utopiastadt und Jochen Stiebel von der Neuen Effizienz gab es angeregte Diskussionen unter den Gästen. Das Thema: Der Wandel in Wuppertal.


Vernetzung von Unternehmen und Initiativen


Dieser Wandel ist es, der die Initiatoren zur Gründung der Plattform motiviert hat. Andreas Helsper von der neuen Effizienz: „Vor einigen Jahren war Wuppertal noch mit der Schließung des Schauspielhauses in der Presse, heute empfiehlt die Welt „mehr Wuppertal wagen“. Unheimlich viele Menschen engagieren sich und wollen etwas bewegen.“
Die Neue Effizienz hat es sich zur Aufgabe gemacht, „Wirtschaft und Wissenschaft im Bergischen Städtedreieck näher zusammenzubringen und den Energie- und Ressourcenverbrauch in der Region und der Wirtschaft zu senken.“ Denn Transformation ist mehr als nur Wandel. Matthias Wanner vom Wuppertal Institut: „Wir verwenden den Begriff „Transformation“ im Sinne einer „Transformation zur Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit, also hin zu einer auch langfristig zu verantwortenden Lebens- und Wirtschaftsweise, die für alle Menschen wie auch die nachkommenden Generationen Chancen auf ein gutes Leben bietet.“


Das funktioniert am besten in einem Mix aus Alltag und Wissenschaft: Die Norbahntrasse und Urban Gardening vor der Haustür, Umweltingenieurwesen und Energiemanagement in den Hörsälen. Und diese waren in Wuppertal vom 18. bis 20. Mai gefüllter als sonst. Passend zum Start von Transformationsstadt fand an diesen Tagen die größte Nachhaltigkeitskonferenz für Studierende im deutschsprachigen Raum statt. Rund 130 Studierende und junge Absolventen aus ganz Deutschland kamen zur „Sustainable Insights“ (zu Deutsch: „nachhaltige Einblicke“) mit dem Thema Stadtwandel und nachhaltige Städte nach Wuppertal. Das gab einen Vorgeschmack auf Transformationsstadt. In den ELBA-Hallen wurden in sogenannten „Case Studies“ am Beispiel verschiedener Wuppertaler Firmen Fragen beantwortet wie „Was macht nachhaltige Städte aus?“ und „Wer kann sie gestalten?“. Für ihre Ergebnisse wurden die Teilnehmer von Wissenschaftsministerin Svenja Schulz, Schirmherrin des Kongresses, und Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch ausgezeichnet.


Veranstaltet wurde der Kongress von der Neuen Effizienz und dem UNESCO-Lehrstuhl für Entrepreneurship und Interkulturelles Management des Jackstädtzentrums für Unternehmertums- und Innovationsforschung. Ein Kernziel des Lehrstuhls von Prof. Dr. Christine Volkmann ist die Förderung eines nachhaltigen und verantwortungsbewussten unternehmerischen Denkens und Handelns von Studierenden. Sie freute sich vor allem über die große Beteiligung am Kongress: „Nach dem Erfolg des letzten Jahres wollten wir in diesem Jahr mehr in die Tiefe gehen. Deshalb freue ich mich, dass wir Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fakultäten für die Moderationen in unseren Themenforen gewinnen konnten.“ Die Themenforen, auf deren Grundlage die Case Studies entwickelt wurden, reichten von „Raum- und Quartiersentwicklung“ über „Energie in Quartieren“, „Mobilität der Zukunft“ und „Transformationsmanagement“ bis hin zu „Lebensstile – nachhaltig leben und arbeiten.“


Für Andreas Helsper war der Kongress auch im zweiten Jahr ein voller Erfolg: „Studierende, die eigentlich schon länger in Wuppertal studieren, sagen uns, dass sie nach dem Kongress jetzt mit anderen Augen auf die Stadt blicken. Zudem schätzen die Studierenden die Zeit und das Engagement der Unternehmen und Initiativen, die eine Case Study angeboten haben.“ Beteiligt waren unter anderem die Firmengruppe Küpper, das Wuppertal Institut und die Wuppertaler Stadtwerke.


Auch bei Transformationsstadt, die im Rahmen von Sustainable Insights offiziell gestartet ist, geht es um die Vernetzung wichtiger Wuppertaler Unternehmen und Initiativen und um den Austausch wissenschaftlicher Fachbereiche, um an einer lebenswerten Zukunft zu arbeiten. „Aufwand muss dann nicht mehr doppelt und dreifach betrieben werden, sondern wir stellen Informationen, Daten und Möglichkeiten für alle zur Verfügung. So können wir unsere Potenziale für alle besser nutzen“, erklärt Christian Hampe von Utopiastadt das Konzept. Nach außen hin sei Transformationsstadt ein Angebot, „über Transformationspfade nachzudenken, Wissen und Aktionen zu bündeln und neue zu kreieren“, so Matthias Wanner vom Wuppertal Institut.


Die Idee zu Transformationsstadt stammt von TransZent, dem Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit, das 2013 von der Universität und dem Wuppertal Institut gegründet wurde. Das TransZent versteht sich selbst „als eine Schnittstelle der wissenschaftlichen Einrichtungen Wuppertals zur Wuppertaler Stadtgesellschaft und den Pionieren des Wandels darin“, erklärt Mitarbeiterin Mandy Singer-Brodowski.


Während das TransZent, Das Wuppertal Institut und die Neue Effizienz Transformation aus der wissenschaftlichen und unternehmerischen Perspektive heraus begleiten, findet diese bei Utopiastadt vor der Haustüre statt. Hier wird auf die Vermittlung nachhaltiger Alltagskomponenten gesetzt. „Wir pflanzen zum Beispiel mit Kindern aus der Nachbarschaft Tomaten, bauen mit Jugendlichen Möbel oder reparieren mit Flüchtlingen Fahrräder“, erzählt Christian Hampe.


Spannende Entwicklungen


Auch Mandy Singer-Brodowski weiß, wie einfach es ist, sich als Einzelner am Transformationsprozess zu beteiligen: „Alle können sich in die Gestaltung einbringen. Das fängt bei nachhaltigem Konsum und Lebensstil an und hört bei einem Engagement in den vielfältigen Initiativen der Stadt Wuppertal auf.“ Genauso vielfältig sind auch die Lebensbereiche, auf die Transformationsstadt künftig einen positiven Einfluss nehmen will: „Vom sozialen und kulturellen Leben, über die zukunftsfähige Gestaltung der Mobilitäts-, Energie- oder Wärmeinfrastrukturen bis hin zu einer Identität für Wuppertaler.“

Die Wuppertaler Bürger können die neue Plattform ebenfalls nutzen. Auf www.transformationsstadt.de können sich Interessierte über Veranstaltungen auf dem Laufenden halten, wie etwa „Nahverkehrsplanung als Chance für eine zukunftsfähige Mobilität“ am 15. Juni. Der Vortrag findet im Rahmen des „Transformationstandems“ statt, in dem das Wuppertal Institut, TransZent und die Bergische Universität das Thema „Zukunftsfährige Mobilität in Wuppertal“ angehen. Der „Internationale Cyclehack“ findet vom 24. bis 26. Juni statt. Bei dem 48-stündigen Event geht es darum, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die Städte fahrradfreundlicher machen und mehr Menschen dafür begeistern. Am 8. September findet der Festakt „25 Jahre Wuppertal Institut“ statt. Das namhafte Institut, das seit seiner Gründung die Mission verfolgt, eine nachhaltige Welt mitzugestalten, plant eine ganze Jubiläumswoche mit Kongressen, Festakten, Feiern und „utopischer Stadtbesichtigung“.


Mit „Sustainable Insights“ und dem Start von Transformationsstadt stand der Mai im Zeichen des Wandels. Mit dem, was die neue Wuppertaler Institution auf den Weg bringt und dem Jubiläumsjahr einer alten Institution verspricht auch der Rest des Jahres spannende Entwicklungen auf dem Gebiet der nachhaltigen Stadtentwicklung.


Text: Saskia Stiefeling
Foto: Jan-Peter Nüsken, Jackstädtzentrum für Unternehmertums- und Innovationsforschung

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