Von sächsischen Höfen und Textilhochburgen

An staubige Archive und an das Rascheln alter Buchseiten hat sich Heiko Schnickmann gewöhnt. In seinem aufwändig recherchierten Buch erzählt er die Geschichte seines Stadtteils Wichlinghausen.

Aus unserer Print-Ausgabe. Heiko Schnickmann berichtet über historische Anekdoten und was ihm an seinem Quartier besonders gefällt. Wichlinghausen liege in einer Grenzregion, erklärt der studierte Historiker. "Die Lage in einer Grenzregion war für Wichlinghausen entscheidend, weil sich dadurch eine gewisse Eigenständigkeit im Denken, Handeln und Leben entwickelt hat."

So wollten die Wichlinghauser im Jahre 1820 ihre Eigenständigkeit und nicht mehr zu Barmen gehören. Es gab eine Abstimmung der Bürger, bei der sie sich letztendlich gegen eine Abspaltung entschieden. Besonders angetan ist Heiko Schnickmann vom späten 18. Jahrhundert. "Es gab im Stadtteil eine interessante Figur, den Pfarrer Müller, der sogar Besuch vom Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781) hatte. Er war eine angesehene Persönlichkeit."

Dieser Geistliche war der Grund, warum der berühmte Dichter Johann Wolfgang von Goethe beinahe nach Wichlinghausen gekommen wäre. "Goethe hielt sich bei seinem Freund Jung-Stilling in Elberfeld auf. Sie gingen dann zu Fuß von Elberfeld los und haben dann gemerkt, dass es zeitlich nicht passt." Zudem präsentiere sich der Stadtteil, dessen Bewohner durch die Textilindustrie zu Reichtum kamen, ausgesprochen unterschiedlich. "Man sieht Jugendstilhäuser, klassizistische Villen und Fachwerkhäuser aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Auch steht hier eine Bauernburg aus dem 15. Jahrhundert."

Was man unter einer Bauernburg versteht, erklärt er in seinem Buch. Außerdem klärt der Historiker die Frage, wie es zu Straßennamen wie "Tütersburg" kommen kann. Finanziert wurde das Buch über den Verfügungsfond aus den Mitteln der ‚Sozialen Stadt Wichlinghausen/Oberbarmen'. Dem Jung-Autor ist daran gelegen, die Vielseitigkeit und die reiche Geschichte seines Stadtteils zu zeigen.

"Abgesehen davon, dass ich hier seit 32 Jahren lebe, finde ich, dass Wichlinghausen einen großen Charme besitzt. Dieser liegt in der Mannigfaltigkeit und Ambivalenz. Hier hat man eine Stadt-Atmosphäre. Und wenn man in eine Gasse hineingeht, auch das Dörfliche. Zudem leben hier viele Menschen, die ihre Ideen im Rahmen des Möglichen umsetzen. Wenn nicht viel da ist, muss man eben kreativ werden." Ebenso schätzt Heiko Schnickmann den multikulturellen Charakter seines Wohnorts.

"Ich ging letztes Jahr an Heiligabend durch den türkischen Supermarkt und wurde Zeuge, wie sich eine arabische Familie lautstark unterhielt, was einen wartenden Russen störte. Währenddessen bestellte ein Pole Halal-Fleisch für Weihnachten. Dieser Mix der Kulturen ist einfach wunderbar." Wer mehr über die Geschichte Wichlinghausens erfahren will, kann ja mal in das Buch hineinschauen. Heiko Schnickmann: "Vom sächsischen Hof zur Textilhochburg - Eine Geschichte Wichlinghausens", Rediroma-Verlag 2015. ISBN 978-3-86870-895-0.

Am 22. Januar findet zudem im Stadtteilzentrum WiKi ab 19.00 Uhr eine Autorenlesung mit musikalischer Begleitung statt.

Text: Mirja Dahlmann

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