Tolle Düfte mit anrüchigem Ursprung Grafik: Benedikt Bergenthal

Tolle Düfte mit anrüchigem Ursprung

Kolumnist und Redaktions-Kater Paulchen hat diesmal tolle Düfte unter die Nase genommen, die von Natur aus eher einen anrüchigen Ursprung haben...

Aus unserer Juni Print-Ausgabe - Wuppertal, 09.06.2018 - Mein Frauchen hat mich jetzt zum Camping mit an die Nordsee genommen, das größte Abenteuer für mich Stadtkater. Als ich so am tosenden Meer entlangstreifte, fiel mir ein, was ich im Internet gelesen habe, nämlich dass man am Strand wahre Schätze finden kann. Bernstein kam da nicht infrage, den gibt es nur an der Ostsee. Aber Ambra. Diese Substanz wurde im Mittelalter mit Gold aufgewogen und im alten China für den Speichel von Drachen gehalten.

Das mit dem Gold ist längst durch, aber ich dachte, wenn ich einen Klumpen davon finden würde, könnte ich ihn vielleicht an eine Kosmetik-Firma, die Parfüm herstellt, verhökern. Denn bei Ambra - bitte nicht die Nase rümpfen - handelt es sich um nicht anderes als um den Kot von Pottwalen.

Heute wird der der Ambra-Duftstoff im Labor hergestellt. Die Menschen meinen ja, es duftet gut, aber na ja, wir Katzen duften ja wohl besser als „Pottwal-Kacke“, die an der frischen Luft ihren eigentlichen Duft entfaltet. Aber wer’s braucht. Immerhin soll der Duft auch noch eine aphrodisierende Wirkung haben. Der eine so, der andere braucht halt Ambra. Mir reicht da schon eine rollige Katze.

Einmal auf den Geschmack - ober besser - den Geruch gekommen, forschte ich weiter. Und siehe da, viele Wohlgerüche haben ihren Ursprung da, wo man ihn am allerwenigsten vermuten würde. Castoreum stammt beispielsweise aus Biberdrüsen. Für mich ein absolutes No Go, weil der arme Biber dafür sterben musste. Zum Glück für meine Nagerfreunde kann dieser Duftstoff heutzutage auch im Labor produziert werden.

Das gleiche gilt auch für Moschus, auch ein Drüsensekret von Moschus-Ochsen aus der Mongolei. Da fragt man sich doch, warum Menschen glauben, dass sie von Natur aus nicht gut genug duften. Ich kann mein Frauchen jedenfalls sehr gut riechen, so wie sie duftet. Dann kommt sie erst gar nicht auf die Idee, Zibet zu benutzen, ein Sekret aus den Analdrüsen der afrikansichen Zibetkatze.

Stark verdünnt entfaltet dieser Stoff einen angenehm moschusartig, ledrig wohlriechenden Duft, der gern zur Parfümherstellung verwendet wird. Gottseidank wird er heute auch synthetisch hergestellt. Ich schlage Frauchen vor, wenn es überhaupt sein muß, sich mit dem Duft von Maiglöckchen oder Rosen zu schmücken. Dann spart sie eine Menge Geld für Parfüm und kann mir und den anderen Miezen dafür Leckerlis kaufen.

In diesem Sinne

Euer Paulchen

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