Springmann-Enkel Benjamin S. (r.) auf der Anklagebank Springmann-Enkel Benjamin S. (r.) auf der Anklagebank Foto: Sandra Berger

Springmann-Prozess: Anklage plädiert auf Mord

Springmann-Prozess steht vor der Entscheidung! Die Anklage olädiert auf Mord und fordert „Lebenslänglich“. Am Dienstag (13.11.) wird das Urteil verkündet.

Wuppertal, 08.11.2018 - Dieser Prozess dürfte in die nächste Runde gehen. Die Plädoyers im Springmann-Prozess lassen erkennen, dass das bevorstehende Urteil vor dem Wuppertaler Landgericht mit der Berufung angegriffen wird, gleich wie es ausfällt. Zu unterschiedlich sind die Positionen in diesem Mordprozess.  Während die Staatsanwaltschaft nach 44 Verhandlungstagen lebenslange Haft für die beiden Angeklagten forderte, sahen die Verteidiger keinerlei Beweise für die Schuld und plädierten auf Freisprüche.

Vieles deutete schon an den ersten Prozesstagen darauf hin, dass die Verteidigung es auf einen Konfrontationskurs anlegte. Nur Indizien, keine Beweise hieß es durchgängig. Besonders der Verteidiger des angeklagten 26jährigen Enkelsohnes Benjamin S., Klaus Bernsmann, attackierte das Gericht immer wieder und nutzte den Gerichtssaal medienwirksam geradezu als Bühne.

Am 11. Juli des 17. Verhandlungstag riss selbst dem sonst so sachlich und besonnen agierenden Richter Robert Bertling der Geduldsfaden. „Gehen Sie doch raus, wenn sie eine Pause brauchen“, rief er erkennbar genervt Verteidiger Bernsmann zu, der einmal mehr eine Unterbrechung der Verhandlung gefordert hatte. In seinem Plädoyer befand Bernsmann, dass das Gericht nicht ausreichend auf Alternativen für den Tathergang nachgegangen sei und der Sohn des Ermordeten zu früh aus dem Kreis der Verdächtigen entlassen worden sei. Auch die Untersuchung der Tatzeit wurde kritisiert.

Der Anwalt des 45jährigen Mitangeklagten Geschäftspartners Ioannis P. meinte, das unterstelle Motiv „Habgier“ sei ein unbewiesenes Konstrukt der Anklage und beantragte ebenfalls Freispruch.

Staatsanwalt Hauke Pahre ist indessen von der Schuld der Angeklagten überzeugt, die die Enterbung des Enkelsohnes befürchten mussten. Dabei geht es um ein Erbe, dass von Eingeweihten in einer Größenordnung von 40 Mio. € angenommen wird. Der Enkel habe zum Ärger des Großvaters sein Studium abgebrochen und dessen Geld nicht verwaltetet, sondern 600.000 € innerhalb eines Jahres ausgegeben, unter anderem für teure Autos.

Der mitangeklagte Geschäftspartner habe aus der gemeinsamen Firma Gehalt bezogen, ohne nennenswerte Leistungen zu erbringen und musste um seine Einnahmen fürchten. Besonders schwer wiegen nach Ansicht der Anklage DNA-Spuren des Geschäftspartners auf dem Kissen des ermordeten Enno Springmann sowie Fasern und Blutspuren im Auto des Enkels.

Dazu meinten die Verteidiger, solche Spuren könnten auf verschieden Weise an den Tatort gelangt sein. Staatsanwalt Pahre beantragte, die Angeklagten jeweils wegen gemeinschaftlichen Mordes zu verurteilen und die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Diesem Antrag schloss sich der Anwalt des Sohnes des ermordeten Ehepaars an, der als Nebenkläger auftrat. Dass sein Sohn nicht davor zurückgeschreckt sei, ihn als Vater zu verdächtigen, offenbare seine „verwerfliche Gesinnung“.

Beide Angeklagten bestritten die Tat. Am kommenden Dienstag (13. November) soll das Urteil verkündet werden.

Text: Siegfried Jähne

 

 

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