Kids hatten viel Spaß bei den Ferien vor der Haustür Foto: Monika Asmus

Kids hatten viel Spaß bei den Ferien vor der Haustür

Während tausende Kinder in den Sommerferien im Ausland waren, mussten viele ihre Ferien zuhause verbringen. Doch das Freizeit-Angebot der Stadt ließ keine Langeweile aufkommen.

 
Tausende Kinder bauten diesen Sommer an ausländischen Stränden Sandburgen oder plantschten in Hotel-Pools der ganzen Welt. Mindestens genauso viele Kids blieben in Wuppertal oder mussten ihre Ferien zuhause verbringen. Am Spaß-Faktor hat das nicht gerüttelt. Denn das Freizeit-Angebot der Stadt ließ der Langeweile keine Chance.
 
Laut rattern die Draisinen über die Schienen. Links und rechts säumen Bäume und Sträucher den Weg. Hier und da ertönt ein Kinderlachen. Es ist ein schöner Sommertag. 18 Kinder und deren Betreuer strampeln auf dem Wuppertrail in Richtung Beyenburg. Die Sonne strahlt mit uns um die Wette.
 
Für die Sommerferien hat die Stadt ein umfangreiches Programm für Kinder auf die Beine gestellt. Und das verspricht Spaß. Wieso also nicht selbst noch einmal Kind sein und mitmachen? Gesagt getan. Zum Abschluss der Ferienwoche findet im Rahmen der Stadtranderholung eine Draisinenfahrt über den Wuppertrail statt. Um 12 Uhr soll es am Bahnhof Dahlhausen losgehen. Um halb 12 ist es noch ruhig auf dem verlassenen Bahnhofsgelände - mit seinen alten Wagons und gestapelten Holzpaletten ein Schauplatz vergangener Tage. Ein Mann läuft über die Schienen und platziert die Draisinen. Thorsten Kaja erzählt, dass er seit 2008 auf dem Wuppertrail arbeitet. Es läuft gut für die Betreiber. Gerade im Hochsommer nutzen viele das Freizeitangebot.
 
Um kurz vor zwölf trudelt die lebhafte Gruppe um Betreuerin Petra Gouder de Beauregard ein. Die ersten Draisinen-Plätze werden in Beschlag genommen. Thorsten Kaja gibt noch eine kurze Einführung und los geht’s. Neben mir der kleine Florian, ganz links Thorsten Kaja. Wir haben die vordere Draisine. Kraftvoll tritt Florian in die Pedale. Sein oberstes Ziel: Schneller sein als die Kinder hinter uns. Immer wieder wirft er prüfende Blicke über die Schulter – so als könne unsere Draisine überholt werden – was natürlich gar nicht möglich ist!
 
Nach kurzer Strecke dann der erste Fahrtrichtungswechsel. „Alles absteigen!“, ruft Thorsten Kaja, der kurz darauf alle Draisinen herumdreht. Dass wir jetzt die hintere Draisine fahren, hat Florian nicht bedacht. Er ist etwas enttäuscht, gibt dann aber wieder alles. Da Thorsten Kaja immer vorne mitfährt, haben wir eine neue Mitstramplerin bekommen. Die 18-jährige Jasmin, Nichte unseres Fahrbegleiters, ist eine erfahrene Draisinenfahrerin. „Breeemsen!“, ruft sie unüberhörbar, wenn die Wagons zu dicht auffahren. Dabei ist es gerade dieser Rums beim Aufprallen auf die Vordermänner, der den Kindern den meisten Spaß bereitet.
 
Und so radeln wir über Dahlhausen nach Beyenburg. „Breeemsen!“, ertönt es von meiner Linken, wenn ein Bahnübergang naht. Dann steigt Thorsten Kaja ab und sichert die Strecke. Es geht auf und ab. Mal lassen wir uns rollen, mal müssen wir kräftig trampeln. Florians Motivation, unseren Vordermännern so dicht wie möglich auf den Fersen zu bleiben, lässt nach. Langsam tun uns die Hinterteile weh.
 
Gut, dass es in Beyenburg eine Kugel Eis gibt, bevor es wieder zurück geht. Eine halbe Stunde Rast, dann fahren wir gestärkt zurück. Zu Florians Freude führen wir die Gruppe nun wieder an und hängen unsere Hintermänner von Zeit zu Zeit ab. Zurück in Dahlhausen heißt es ein letztes Mal „alles absteigen!“ Die etwas erschöpfte Truppe macht sich auf den Heimweg.
 
Von Erschöpfung ist auf meiner nächsten Freizeit-Inspektion keine Spur. Es ist ein etwas diesiger Mittwochmorgen und ich bin zu Besuch bei der ‚Station Natur und Umwelt‘. Hier findet diese Woche die Jungs-Freizeit „Tschakaa!“ statt. Ich platze mitten ins Frühstück. Auch Jungs brauchen ihre Stärkung. Betreuer Peter Noltze ‚mampft‘ ein Mortadella-Brötchen. Der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins ‚Station Natur und Umwelt‘ betreut regelmäßig Kindergruppen. Nur Jungen – das ist aber etwas Besonderes. Da werden auch nur Jungs-Sachen gemacht: Parcours bewältigen, Feuerexperimente, Stockkämpfe. Für die Kämpfe haben sich die Teilnehmer Schwerter geschnitzt und eine Einführung in die Kampftechnik erhalten.
 
Und mit diesen Schwertern geht es nach dem Frühstück dann hinaus in den Garten, um dem Freizeit-Namen „Tschakaa!“ alle Ehre zu machen. In einem abgegrenzten Bereich dürfen die Jungs ihre Kampftechnik verbessern. Max und Björn machen es vor: Angreifen - abwehren, angreifen - abwehren. Die Elfjährigen freuen sich auf das nächste Kampftraining. Die immer gleichen Bewegungsabfolgen werden nach einiger Zeit langweilig. „Hoffentlich lernen wir heute etwas Neues“, wünschen sie sich. Abwechslungsreich wird es auf jeden Fall bleiben. Am Donnerstag steht noch eine Übernachtung unter freiem Himmel an. Das Wetter soll ja wieder schön werden.
 
Unter dem wolkenverhangenen Himmel am Mittwoch ist einiges los im Außengelände der Station und schnell fällt auf, dass noch eine andere Gruppe ihr Unwesen treibt. Die Räuber-Gruppe hat im Raum nebenan gefrühstückt. Hier sind auch Mädchen anwesend. Und was machen die Räuber so? Betreuerin Cornelia Wegmann erklärt: „Schnitzen, mit Feuerstäben experimentieren, Spiele spielen, auf Schnitzeljagd gehen und Hütten bauen im Räuberwald“. Gerade im Wald können sich die kleinen Räuber bestens austoben. Nicht weit entfernt steht ein Junge und schnitzt an seinem Stock. „Schnitzen nur im Sitzen!“, ruft Cornelia Wegmann ihm zu und erklärt: „Auch Räuber müssen Regeln beachten.“
 
Ganz so viele Regeln wie in der Schule sind es aber nicht. Die fängt am 12. August wieder an. Und auch für mich heißt es nun wieder: Zurück in den Alltag. Schade eigentlich…
 
Text: Saskia Stiefeling
 
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