Plan der Initiative Baudenkmal Döppersberg Plan der Initiative Baudenkmal Döppersberg

Hochkarätig besetzte Initiative kämpft gegen Plan der Stadt

Die Stadt plant eine "zeitgemäße Gestaltung" der Fassade des Bahnhofgebäudes. Noch ist der Zug für die ursprüngliche Fassade aber nicht abgefahren.

Er ist ein architektonisches Kleinod und ein beeindruckendes Zeugnis der frühen  Eisenbahngeschichte: Der Hauptbahnhof, der einzige weitgehend erhaltene Großstadtbahnhof aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Unmittelbar daneben befindet sich das ehemalige Direktionsgebäude. Dieser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende Bau bildet gemeinsam mit dem Bahnhof ein grandioses, hochwertiges Ensemble. Beide Bauwerke sollen nicht nur zu attraktiven, architektonischen Eckpfeilern des neugestalteten Döppersberg werden, sondern wären auch ein großartiges Entree für die Elberfelder City. Darüber sind sich eigentlich alle einig. Doch die Sichtweise und der Anspruch unterscheiden sich gewaltig. 
 
Eigentümer des Bahnhofsgebäudes ist die Deutsche Bahn. Die Stadt Wuppertal hat in Abstimmung mit der Bahn den Vorbau des Gebäudes vor Jahren abgerissen. Sie musste sich allerdings vertraglich verpflichten, die Fassade auf ihre Kosten wieder neu aufzubauen. Ein entsprechender Entwurf liegt auch auf dem Tisch, beschlossen vom Rat, genehmigt von der Deutschen Bahn und von der Unteren Denkmalbehörde.
Die  ‚Initiative Baudenkmal Döppersberg‘, der Prof. Will Baltzer, der für die Restaurierung der Historischen Stadthalle verantwortlich war, sein Sohn, Dr. Florian Baltzer, ebenfalls Architekt, Dr. Udo Hindrichs, Mitglied der Bezirksvertretung Elberfeld-West und Vorsitzender des Bürgervereins Sonnborn-Zoo-Varresbeck, Prof. Dr. Hermann J. Mahlberg, Begründer und Leiter der Forschungsstelle für Architekturgeschichte, Denkmalpflege und Industriekultur der Bergischen Universität, die Kunsthistorikerin Dr. Hella Nußbaum und Dirk Fischer, im Vorstand des Fördervereins ‚Historische Parkanlagen Wuppertal‘, angehören, kämpft jedoch vehement gegen den Plan der Stadt, der – wie es heißt -  eine „zeitgemäße Gestaltung" des Denkmals vorsieht.
 
Dirk Fischer: „Beim historischen Bahnhof handelt es sich um ein Bauwerk von nationaler Bedeutung. Die Stadt plant das Erdgeschoss in "zeitgemäßer Gestaltung"  unter weitgehendem Verzicht auf wichtige Fassadengliederungen. Anstelle der ursprünglich  herausragenden klassizistischen Architektur würde das Erdgeschoss durch hochrechteckige Fenstertüren bestimmt, die eher an Garagentore erinnern. Diese Gestaltung erscheint uns weder zeitgemäß, noch verträglich mit der weitgehend vorhandenen ursprünglichen Bausubstanz. Wir fordern, dass in etwa der alte Zustand wieder hergestellt wird. Ein zentrales Element sind dabei die Rundbogenfenster im Erdgeschoss, die jetzt nach dem Abbruch des Bahnhofsvorbaus im Erdgeschoss auch wieder erkennbar sind.“ 
 
Inzwischen hat auch die Untere Denkmalbehörde der vorgeschlagenen Lösung der ‚Initiative Baudenkmal Döppersberg‘  als Gestaltungsvariante zugestimmt. Fakt ist aber, dass ein gültiger Ratsbeschluss auf dem Tisch liegt. Dennoch hoffen Dirk Fischer und seine Mitstreiter, dass der Zug für Ihren Entwurf und ihre Vision noch nicht abgefahren ist: „Wir haben bereits viele positive Rückmeldungen erhalten und werden jedem einzelnen Stadtverordneten noch einmal persönlich die Unterlagen zuschicken. Wir bauen darauf, dass das Thema noch einmal auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung gesetzt wird. Wir wünschen uns, dass auch die Wuppertaler Bürger bei der Entscheidung miteinbezogen werden. “
Prof. Will Baltzer: „Es wäre eine Schande für Wuppertal, wenn die bisher vorgesehene städtische Planung in die Tat umgesetzt würde. Damit wäre eine große Chance vertan, den Bürgern ein Denkmal mit europaweiter Strahlkraft in seiner ursprünglichen Schönheit zurückzugeben.“ Die STADTZEITUNG wird die weitere Entwicklung im Auge behalten.
 
Text: Peter Pionke
 
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