Ernst Moritz Altmann - der wohl älteste Toelleturm-Besteiger Ernst Moritz Altmann - der wohl älteste Toelleturm-Besteiger Foto: Rena Tarrach

98jähriger steigt jeden Sonntag auf den Toelleturm

Er ist gerade 98 Jahre alt geworden. Und er besteigt jeden Sonntag den höchsten begehbaren Turm in Wuppertal: Ernst Moritz Altmann.

Aus unserer Juni-Print-Ausgbe - Wuppertal, 09.06.2018 -146 Stufen erklimmt der Wuppertaler hoch bis zur Spitze des Toelleturms in Barmen. 333 m hoch liegt das Bauwerk über dem Meeresspiegel. Und selbst, wenn manche denken, er sei "80 Meter hoch, oder so" (Zitat von einem der Besucher),  so bringt er es "nur" auf rund 27 Meter. Aber, so manch Jüngerer traut sich die Wendel-Treppe erst gar nicht zu. Ernst Moritz Altmann hat damit kein Problem. Mit seinem Spazierstock als Gehhilfe startet er den Turm hinauf.

"Ich liebe es, hier jeden Sonntag her zu kommen“, lacht der 98jährige. Er kam nach Wuppertal, weil "einer mir gesagt hat, dass die Stadt so schön grün sei", erinnert er sich. Das war 1962, bevor die Mauer in Berlin "richtig zu ging", sagt er.

Drei Kinder bekam er mit seiner Frau. Zwei davon wohnen noch in Wuppertal. Seine Frau erkrankte leider an Leukämie. "Wir waren 56 Jahre verheiratet. Sie war die beste Frau der Welt“, erzählt der Wahl-Wuppertaler mit wehmütiger Stimme. Er hat sie immer bei sich: Auf einem kleinen Foto in seiner Tasche.

Nun freut sich Ernst Moritz Altmann über Menschen um ihn herum, wenn er oben auf der Plattform des Toelleturms angekommen ist. Er weiß so viel, dass jeder Besucher gespannt seinen Worten lauscht. Was sieht man vom Turm aus, wo ist Düsseldorf mit dem Rheinturm (bei klarem Wetter), wo ist Schwelm mit seiner Kirche? Auch wo Remscheid liegt, erklärt er, wenn es die Sicht erlaubt. Oder die Kohlehalden im Ruhrgebiet - kaum zu glauben, aber wahr: Auch die sieht man vom Toelleturm aus.

Mir zeigt er seinen Personal-Ausweis, damit ich auch glaube, dass er wirklich 98 Jahre ist. Ist er wirklich! Und er ist noch so fit, dass jeder den energiegeladenen Pensionär, der früher bei Vorwerk gearbeitet hat, bewundert.

Und dann erzählt er von der Granate, die sein Bein im Krieg schwer verletzt hat. Sein Gesicht verzerrt sich dabei, als würde er die Schmerzen heute noch spüren.

Und nach fast jeder Toelleturm-Besteigung sieht man Ernst Moritz Altmann unten auf einer Bank im Park sitzen: Mit einem Eis in der Hand und einem breiten Grinsen: "Toll, dieses Eis hier. Ich finde es schön, dass sie hier das ehemalige Toilletten-Häuschen zu einer Eisbude umgebaut haben.“

Der Toelleturm wurde 1887 erbaut und 1888 dem Barmer Verschönerungs-Verein als Eigentum gestiftet. Die Familie Toelle hatte den Turm zu Ehren ihres Familien-Vaters Ludwig Ernst Toelle (1822-1886) errichten lassen.

Was viele nicht wissen: Der Park, in dem der Toelleturm steht, ist die zweitgrößte Grünlage in ganz Deutschland! Sie erstreckt sich über drei Stadtteile. Die Barmer Anlagen und der Vorwerk-Park sind Teil davon.

Der Besuch des Turms, der jeden Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet ist, wenn das Wetter mitspielt, ist kostenlos. Wer spenden möchte, kann das vor Ort bei den freiwilligen „Türmern“ tun. Ernst Moritz Altmann, der wohl älteste Turmbesteiger aller Zeiten, weiß: “Immer, wenn die weiße Fahne oben auf dem Turm weht, dann ist er offen.“ - Weitere Infos: www.Barmer-Anlagen.de.

Text: Rena Tarrach

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