Verstanden sich prächtig: Klaus Voormann (l.) und Bernd Bigge bei einen Kultur-Highlight in der Hako Event Arena Verstanden sich prächtig: Klaus Voormann (l.) und Bernd Bigge bei einen Kultur-Highlight in der Hako Event Arena Foto: Paul Coon

Klaus Voormann - ein genialer Musiker mit Rückgrat

Klaus Voormann (79) ist ein genialer Musiker und ein bescheidener Mensch. Doch jetzt sorgte der "5. Beatle" für eine lauten Akkord. Er gab seinen "Echo" zurück, aus Protest gegen antisemitischen Texte der Rapper Kollegah & Farid Bang.

Wuppertal, 16.04.2018 - Die beiden Rapper hatten für ihr Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ den begehrten Musikpreis "Echo" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National einkassiert. Auf dem Album gibt es aber solche antisemitischen und menschenverachtende  Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow“.

Klaus Voormann und sein Laudator Wolfgang Niedecken (BAP) waren schockiert. Letztlich entschied sich der Musiker und Grafiker, der für sein Lebenswerk mit dem "Echo" ausgezechnet worden war, den Preis wieder zurück zu geben.

Klaus Voormann gegenüber der BILD-Zeitung: „Provokation ist erlaubt und manchmal sogar notwendig, um Denkanstöße zu geben. Aber es darf nicht die Grenze zu menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen, gewaltverherrlichenden Äußerungen und Taten überschritten werden. Genau diese Attribute treffen im gegebenen Fall zu, und das hat für mich nichts mehr mit der Kunstform guter Hip-Hop- und Rap-Interpreten zu tun, wie ich es beispielsweise von Anfang an bei einem Eminem schätzte.“ Klare Worte und eine konsequente Reaktion.

Mit dem Begriff „lebende Legende“ wird heutzutage oft sehr leichtfertig umgegangen. Doch Klaus Voormann ist eine „lebende Legende“ - im wahrsten Sinne des Wortes. Das Multitalent galt als „fünfter“ Beatle. Der heute 79jährige lernte die „Pilzköpfe“ 1960 in Hamburg kennen, lebte mit ihnen zusammen. 

Als Designer gestaltete er das berühmte Beatles-Cover der LP “Revolver“, wofür einen „Grammy“ erhielt. Er entwarf u.a. auch zwei Platten-Hüllen für die „Bee Gees“. Als Musiker wurde er noch berühmter. Er war Bassist der Band „Manfred Mann“, deren Hits „Mighty Quinn“,„Ha Ha Said The Clown“, “My Name Is Jack” oder “Ragamuffin Man” auf keiner Oldie-Party fehlen.

Nach der Trennung der Beatles arbeitete er an fast allen Solo-Projekten von John Lennon, Ringo Starr und George Harrison mit. Er zupfte den Baß u.a. bei Lennon-Klassikern wie „Imagine“, „Give Peace A Chance“ oder „Working Class Hero“.

Klaus Voormann war neben Eric Clapton Mitglied von John Lennons legendärer „Plastic Ono Band“. Er stand 1971 beim berühmten „Concert For Bangla Desh“ im Madison Square Garden New York mit seinem engen Freund George Harrison auf der Bühne. Und er war auch 2002 beim “Gedenkkonzert für George Harrison“ in der Royal Albert Hall in London dabei. Gemeinsam mit Paul McCartney, Ringo Starr, Tom Petty, Eric Clapton und Jeff Lynn erwies er seinem Kumpel und langjährigen Weggefährten musikalisch die letzte Ehre.

Wieder zurück in Deutschland produzierte er mit der damals völlig unbekannten Band „Trio“ den Neue-Deutsche-Welle-Mega-Hit „Da Da Da“. Außerdem arbeitete er mit Marius Müller-Westernhagen und Heinz Rudolf Kunze zusammen. Danach wurde es ein Zeit lang still um Klaus Voormann.

Doch dann feierte der stille Superstar ein vielbeachtetes Comeback. Anläßlich seines 70. Geburtstages trommelte Klaus Voormann – motiviert durch seine Frau Christina - seine alten Weggefährten zusammen, ging mit Musik-Giganten wie Paul McCartney, Ringo Starr, Eric Clapton, Joe Walsh und Cat Stevens ins Studio. Heraus kam das Album „A Sideman´s Journey“. Der Titel spiegelt seine Lebensphilosophie und seine Bescheidenheit wieder. Ein großer, sympathischer Star ohne jegliche Allüren. Eine Legende, die sich selbst eher als Randfigur sieht.

Neben der Musik-CD gibt es auch eine DVD mit Film-Sequenzen, die Klaus Voormann gemeinsam mit den Rock-Weltstars wie Paul McCartney bei den Ton-Aufnahmen im Studio zeigen. Beeindruckende Ausschnitte aus diesen einmaligen Film-Dokumenten stellte Klaus Voormann im Rahmen der Autoren-Reihe „Spät-Lese“ auch in der Hako Event Arena vor. Ein geniales Multitalent, das selbst Teil der Musik-Geschichte geworden ist, hautnah und authentisch zu erleben - für viele Besucher des Kulturhighlights in Vohwinkel ein unvergeßliches Erlebnis.

Text: Peter Pionke

 

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