Brigitte Baumann in ihrer Galerie Brigitte Baumann in ihrer Galerie Foto: Ralf Silberkuhl

Finde es entwürdigen, in Friseursalons auszustellen

In unserer Serie "Wuppertal - Deine Galerien" stellen der Maler Christian von Grumbkow und der Foto-Künster Ralf Silberkuhl die Wuba-Galerie von Brigitte Bauman vor: "Ich finde es entwürdigend, in Friseursalons auszustellen."

Aus unserer Juni-Print-Ausgabe -Wuppertal, 12.06.2018 - In unserer Serie „Wuppertal - Deine Galerien“ besuchen der weit über Wuppertal bekannte Maler Christian von Grumbkow und der Foto-Künstler Ralf Silberkuhl die interessante und facettenreiche Galerien-Landschaft in der Talstadt. Diesmal waren sie in der Wuba-Galerie (Friedrich-Engels-Allee 174) zu Gast und CvG hat sich mit Brigitte Baumann unterhalten.

CvG: Seit wann befassen Sie sich mit dem Thema Kunst?

Brigitte Baumann: „Ich befasse mich seit ca. 20 Jahren intensiv mit Kunst. Damals habe ich begonnen, nebenberuflich an der Freien Akademie in Essen Malerei und Fotografie zu studieren.“

CvG: Gab es für Sie ein Schlüssel-Erlebnis?

Brigitte Baumann: „Da ich selber als Künstler tätig war – und das in fortgeschrittenem Alter und neben meinem eigentlichen Beruf – habe ich die Härte des Systems erfahren, was die Präsentation von Kunst angeht. Galerien kommen da nicht mehr in Frage. Das Ausstellen in Arztpraxen oder Anwaltskanzleien, Friseursalons etc. empfand ich aber als unangemessen und eigentlich entwürdigend. Es kann nicht sein, dass man als Künstler, der nicht von einer Galerie vertreten wird, nicht die Möglichkeit hat, an adäquaten Orten auszustellen, sondern gezwungen ist, Räume zu dekorieren, die eigentlich gar nicht für Kunstausstellungen vorgesehen sind. Im schlimmsten Fall muss man sogar noch dafür bezahlen.“

CvG: Führen Sie Ihre Galerie hauptberuflich oder nur als Nebenjob?

Brigitte Baumann: „Meine Galerie führe ich professionell. Zeige die Künstler aber nur in den einzelnen Ausstellungen und vertrete sie nicht oder baue sie auf. Dafür bin ich zu spät in das Geschäft eingestiegen.“

CvG: Was muss man mitbringen, um eine erfolgreiche Galeristin zu
sein?

Brigitte Baumann: „Einen langen Atem, damit man auch Durststrecken – vor allem finanzieller Art – gesund durchsteht. Man muss gut mit Menschen umgehen können, praktisch begabt sein, damit man auch selber mit anfassen kann. Man muss ein Gefühl dafür haben, was die Besucher ansprechen wird. Die Zusammenstellung und Hängung der Arbeiten muss spannend sein.“

CvG: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler aus, deren Werke Sie ausstellen?

Brigitte Baumann: „Man sollte sich eine große Offenheit für die Kunst bewahren, die einem angeboten wird und Qualität erkennen können. Es ist wichtig, dass man sich auch abgrenzen kann und Künstler ablehnen kann, die nicht ins Konzept passen. Ich suche mir die Künstler auf Messen oder Ausstellungen. Viele kommen auch von sich aus auf mich zu. Die Arbeit der Künstler muss mir gefallen. Außerdem muss ich einen Draht zu den Künstlern haben, sonst wird es „anstrengend“. Das muss ich mir nicht antun, da mir die Arbeit Freude bereiten soll.“

CvG: Gibt es Kunst, die Sie strikt ablehnen?

Brigitte Baumann: „Nein, ich lehne keine Kunst ab, aber ich muss schon selber einen Zugang zu der Kunst haben, sie muss qualitativ einwandfrei sein und mich persönlich ansprechen.“

CvG: Ist es heute leichter oder schwerer, vom Verkauf von Kunstwerken zu leben?

Brigitte Baumann: „Ich glaube, dass es heute sehr schwer ist, vom Verkauf von Kunst zu leben. Viele Menschen sehen Kunst nur als schmückendes Beiwerk oder Deko an und erkennen nicht, dass Kunst für die Gesundheit der Seele eine große Bedeutung hat. Hinzu kommt, dass viele Kunst lediglich als Geldanlage ansehen, was bedeutet, dass preiswertere Kunst von Künstlern, die nicht im ersten Kunstmarkt angekommen sind, nicht gekauft wird.“

CvG: Wie gehen Sie mit Kunden um, die Kunst lediglich als Einrichtungs-Gegenstand sehen – wie eine Vase oder eine Lampe?

Brigitte Baumann: „Ich würde immer versuchen, den Kunden davon zu überzeugen, dass Kunst nicht zum Sofastoff passen muss, sondern dass sie in sich stimmig und gut sein muss. Dann passt sie auch in das Lebensumfeld.“

CvG: Wie ist es im digitalen Zeitalter um den Künstler-Nachwuchs bestellt?

Brigitte Baumann: „Das kann ich nicht sagen. Ich denke, es wird immer Künstler geben. Aber die Mittel der Kunst ändern sich.“

CvG: Welche Art von Kunst haben Sie Zuhause an Ihren Wänden hängen?

Brigitte Baumann: „Die Kunst in unserem Haus begleitet uns zum Teil schon seit vielen Jahren. Wir leben mit den gesammelten Bildern und Objekten. Sie gehören zu uns und sind vermutlich eher konservativ.“

CvG: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie beim Kauf von Kunst für den privaten Bereich?

Brigitte Baumann: „Wir kaufen immer sehr spontan. Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle, wir müssen die Kunst auch bezahlen können. Kunst ist für mich keine Geldanlage, sondern gehört zu mir dazu.“

CvG: Haben Sie bereits einmal bei der Auswahl eines Künstlers und seiner Werke für eine Ausstellung in Ihrer Galerie völlig daneben gelegen?

Brigitte Baumann: „Da ich die Galerie erst seit ca. 8 Monaten betreibe, kann ich die Frage im Moment nur mit nein beantworten.“

CvG: Wie überzeugen Sie Ihre Kunden davon, einen großen Bogen um „Fließband-Kunstwerke“ á la Ikea oder anderer Möbelhäuser zu machen und stattdessen entschieden mehr Geld auszugeben?

Birgitte Baumann: „Ich glaube, dass Kunden, die Fließbandkunst lieben, die Galerie gar nicht betreten werden.“

CvG: Ist Galerist ein Beruf mit Zukunft oder läuft auch Ihnen das Internet irgendwann den Rang ab?

Brigittte Bauman: „Ich glaube, dass Kunst eine Aura hat und daher nur direkt und nicht über Abbildungen im Internet wirken kann.“

CvG: Wie groß ist die Konkurrenz in der Galerie-Szene untereinander?

Brigitte Baumann: „Ich empfinde andere Galerien überhaupt nicht als Konkurrenz, da ich denke, dass jeder sein Ding macht und man sich von daher nicht ins Gehege kommt. In unmittelbarer Nachbarschaft empfinde ich die „Konkurrenz“ eher als Bereicherung, da man die kunstinteressierten Menschen anlocken kann. Bei mir ist z.B. im Mai eine Crossover Ausstellung in Zusammenarbeit mit der gegenüberliegenden Galerie geplant. Wir stellen eine Künstlerin mit zwei unterschiedlichen Arbeitsbereichen an beiden Orten aus. Ich stelle mir das sehr spannend vor und empfinde die Zusammenarbeit mit der Kollegin als große Bereicherung. Wegnehmen werden wir uns nichts dabei.“ (www.wuba-galerie-brigittebaumann.de)

Interview Christian von Grumbkow - Fotos Ralf Silberkuhl

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