Judokas wollen mehr sein als Wettkämpfer © fotoinfot / fotolia.com

Judokas wollen mehr sein als Wettkämpfer

Die Sportler betonen die integrativen Aspekte - und der Wuppertaler Peter Frese ist Präsident des Deutschen Judo-Bundes.

Judo und andere Selbstverteidigungs-Sportarten sind auf dem Vormarsch. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Einfluss hierauf hatten vor allem die aktuellen Ereignisse von Paris und Köln. Jedenfalls stieg daraufhin die Nachfrage, etwa nach Reizgas, in Deutschland rasant. Für den in Wuppertal beheimateten Präsidenten des Deutschen Judo-Bundes, Peter Frese (62), geht es indessen bei "seinem" Sport um mehr als nur Kampf und Verteidigung.

Frese: "Judo ist eine Philosophie, die mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat und dem friedlichen Miteinander dient." Judo heißt übersetzt "sanfter/flexibler Weg", dessen Prinzip "Siegen durch Nachgeben" beziehungsweise "maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand" ist. Es geht um Dinge wie Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, auch Freundschaft, Wertschätzung, Disziplin und Respekt. Für Peter Frese, der in Elberfeld am Hofkamp eine kleine Judoschule betreibt, steht deshalb weniger der Wettkampf im Vordergrund, er sieht das Ziel im Kämpfen, ohne zu verletzen und möglichst Gewalt abzubauen.

Als Beauftragter der Europäischen Judo-Union war er in dieser Mission bereits in vielen Krisenherden der Welt, zuletzt in Afghanistan, unterwegs. Vor diesem internationalen Hintergrund sieht er auch, nicht zuletzt über den Judosport, eine große Integrationschance für Flüchtlinge. Frese: "Sport ist allgemein integrativ, hier gibt es keine Grenzen, etwa durch Hautfarbe oder Religion, jeder will hier einfach nur gut sein." So verwundert es nicht, wenn hier bereits die ersten Syrer angekommen sind. "Man glaubt es nicht, mit wie viel Freude der Judosport von ihnen ausgeübt wird.

Die Sprachbarriere ist ganz schnell überwunden", so Peter Frese. Frese ist bei der "European Judo Union" Development (Entwicklungs-) Direktor für die Olympischen Beziehungen. Er sieht mit dem Hamburger Olympia-Verzicht eine große Chance vertan: "Es hätte uns gut getan, wenn die kleineren Sportarten im eigenen Land in den vom Fußball dominierten Medien wieder einen größeren Stellenwert bekommen hätten". Der Träger des Rot-Weiß-Gurts (7. DAN, verbunden mit dem Ehrentitel KYOSHI) sieht seinen Sport in Wuppertal eher am Rande, auch weil er unter einer starken Zersplitterung leide. Es gibt viele kleine Vereine, so dass es schwer ist, eine gute Wettkampfmannschaft ins Rennen zu schicken.

Gleichwohl kann er mit seinem SC Wuppertal beachtliche Erfolge vorweisen. Mit der Mannschaft gelang ihm der Durchmarsch von der Bezirksliga bis in die Landesliga, wo man alle sieben Gewichtsklassen mehrfach besetzen konnte. Die Persönlichkeitswerten zugewandte Philosophie teilt auch der Judo-Club Wuppertal e.V., der älteste Judo-Verein in Wuppertal. Der JCW bietet seit mehr als 50 Jahren nicht nur Judo, sondern auch Jiu Jitsu an. Darüber hinaus gibt es beim JC Wuppertal seit einigen Jahren auch noch eine Gruppe für Tai Chi, dem chinesischen Schattenboxen.

Text: Siegfried Jähne

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