Die (a)sozialen Netzwerke... Grafik: Benedikt Bergenthal/Dirk Sengotta

Die (a)sozialen Netzwerke...

"Die (a)sozialen Netzwerke. Oder – eine Kommunikations-Partitur für die Stadt"- STADTZEITUNGS-Kolumnist Vok Dams nimmt wie immer kein Blatt vor den Mund und zeigt Wege auf...

Aus unserer Juni-Print-Ausgabe - Wuppertal, 03.06.2018 - „Too big to fail“ titelt die Wirtschaftswoche (14/29.3.18) einen Artikel über Facebook und belegt, dass Werbeboykotte nicht ernst zu nehmen sind. Längst sei Facebook zu mächtig und ausgerechnet die von der EU geplanten Datenschutzregeln „stärken das Netzwerk sogar noch“.

Vertreter der Werbebranche belegen diese Einschätzung und werden im Spiegel mit Aussagen zitiert, wie „es gibt kein Entkommen“ (Marcel Loko, Zum goldenen Hirschen) und „als Demokrat gefriert mir das Blut in den Adern (…)“ Stephan Vogel, Ogilvy&Mather / Präsident ADC).

Ob die die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die vom 25. Mai 2018 an gilt, daran etwas ändern wird ist mehr als fraglich. Sorgt sie doch durch fehlende Ausführungsbestimmungen erst einmal für Verunsicherung im Mittelstand und im privaten Bereich, während sich die Konzerne flexibel anpassen, ohne ihre Geschäftsmodelle grundsätzlich zu ändern.

Der Spiegel sieht gar die Digitalkonzerne insgesamt „Außer Kontrolle“ (13/24.3.18) und verweist auf den Datenskandal, Fake News, russische Manipulationen und kommt zu dem Ergebnis: „Facebook ist zu einer Gefahr für die Demokratie geworden“.

Der Artikel verweist dabei auf frühere Aussagen des Konzerns, „die menschliche Kommunikation revolutionieren zu wollen“ und dabei zu übersehen, dass Revolutionen nicht zwangsweise zu einer besseren Welt führen. Dass mächtige Kommunikationsinstrumente nicht nur von Demokraten sondern auch von Demagogen genutzt werden.

In der Tat, ganz neu ist diese Erkenntnis nicht. Machtvoller Kommunikationsinstrumente bedienten sich die Weltreligionen ebenso, wie die politischen Bewegungen, die letztlich zu den Katastrophen der jüngeren Geschichte führten.

Verständlich also die Skepsis der Nachkriegsgeneration, die nicht nur gegen den „Muff unter den Talaren“ sondern auch für den Frieden und gegen Werbung und Volkszählung auf die Straße gingen.
Das war die Zeit, in der klassische Werbung unter Manipulation und Verführung abgelehnt oder zumindest diskutiert wurde und die Privatsphäre (inklusive des Bankgeheimnisses) unter dem Stichwort des Persönlichkeitsrechts und der persönlichen Freiheit mit Händen und Füßen verteidigt wurde.

Privatsphäre?
Kennt dieses Wort heute noch jemand außerhalb des eigenen Wohnzimmers und des eigenen Kleingartens? Vielleicht.
Zumindest aber nicht auf Facebook.

Ein Unternehmen, dass „das Leben von Milliarden Menschen verändern will, dringt automatisch in die Sphären von Staat und Politik vor“, schreibt der Spiegel.
Der „fast mit religiöser Inbrunst gepredigten Haltung, „wir sind nur eine Plattform, wir sind nicht verantwortlich dafür, was passiert“, steht die Botschaft gegenüber, „das Internet fördert das Wohl der Menschheit und Facebook hilft dabei“.

Facebook hilft es dabei auch, dass sie inzwischen mit den Daten ihrer Nutzer so viel Geld verdient haben, dass sie erfolgreiche Internet-Unternehmen wie den Fotodienst Instagram für eine Milliarde Dollar und den Messenger-Dienst WhatsApp für 19 Milliarden Dollar gekauft haben und nun auch deren Daten nutzen können.

Der Spiegel spricht von einer „höllisch gefährlichen Dynamik“: „Viele (…) lesen ihre Nachrichten nur noch bei Facebook. Der Konzern wird zur dominierenden Kraft der globalen Medienbranche. (…) Wem was gezeigt wird, entscheidet allein die Software. Algorithmen messen, was gelesen, geteilt und kommentiert wird. (…) So bilden sich Echokammern und Filterblasen.“

Wer glaubt nach Trump noch, dass die Politik und politische Wahlen von dieser Entwicklung unbeeinflusst bleiben? Wer wundert sich da noch, wenn im Silicon Valley das Gerücht zirkuliert, Facebook-Gründer Zuckerberg habe Allmachtsphantasien und erwäge eine Präsidentschaftskandidatur?

Nun, spätestens jetzt fragt sich der geneigte Leser, was hat das mit uns, was hat das mit Wuppertal zu tun?
Die Kommunikations-Kanäle, die wir in Politik und Wirtschaft nutzen sind vielfältig. Um nicht zu sagen, sie sollten vielfältig sein. Wir kommen um klassische Medien, das Internet aber auch um Facebook kaum herum.

Auch wenn wir (noch) nicht gelernt haben, diese „Plattform“ mit gebührender Vorsicht zu nutzen. Das Lernpotential ist groß und eine politische Kontrolle unumgänglich. Medienunterricht an Schulen ist dabei ebenso gefordert, wie die Aufsicht der Kartellbehörden, die Monopole aus guten Gründen zu verhindern suchen.

Wir sind alle gefordert. Auch wenn die öffentliche Diskussion jetzt erst einsetzt. Nicht zuletzt, um uns aus der Monopolisierung des Denkens zu befreien, Filterblasen und Echokammern aufzulösen und nicht zuletzt, um die Demokratie vor den Demagogen zu retten.

Journalistische Vielfalt ist im Tal ist deshalb zu begrüßen und zu unterstützen. Werbung und Kommunikation, die über Informations-Flyer hinaus geht, unumgänglich. Vor allem, wenn es darum geht Wuppertal in seiner Attraktivität ganzheitlich darzustellen. Als einzigartiges Produkt. Unverwechselbar und attraktiv.

Das Zusammenspiel der Kultureinrichtungen ist hier schon der richtige Ansatz. Eine Koordination (Orchestrierung) unterschiedlichster Ereignisse (Events) mit dem Fokus auf einen unverwechselbaren, einheitlichen Auftritt der Stadt, könnte die Wirkung jeder Einzelmaßnahme potenzieren.

Live Campaigns nennen wir es, wenn wir mit Events den Content liefern, um die unterschiedlichsten Kommunikationskanäle mit einer einheitlichen Botschaft zu bespielen. Die neuen Medien bekommen dabei eine wichtige Rolle zugewiesen und Facebook zeigt, welche Dynamik sich hier gesteuert oder ungesteuert entwickeln kann.

So scheint es angesagt, Medien eigenverantwortlich zu nutzen und Informationen bewusst zu steuern. In unserem eigenen Interesse und im Interesse der Botschaft, die wir über ein Ereignis und über unsere Stadt, über Wuppertal, vermitteln möchten.

Wenn Facebook also Plattform ein Teil des Orchesters ist, sollten wir uns jetzt als Komponisten betätigen und die Stücke für Wuppertal schreiben, die virtuose Musiker aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung für uns spielen.

Es gibt viel zu tun – packen wir`s an!

Mit den besten Grüßen aus WUPPERTAL,
der Erlebnisstadt mit der Schwebebahn.

Ihr Vok Dams

 

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