Des Bürgers Wille ist sein Himmelreich? Grafik: Benedikt Bergenthal

Des Bürgers Wille ist sein Himmelreich?

 Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden – oder Des Bürgers Wille ist sein Himmelreich? Event-Marketing-Experte Vok Dams nennt in seiner Kolumne "Denkanstöße aus dem Atelierhaus" die Dinge wie gewohnt bein Namen und bekennt unmißverständlich Farbe.

Aus unserer November-Print-Ausgabe - Wuppertal, 06.11.2017 - Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. So berichtet Andreas Boller in seinem Kommentar in der WZ (28.10.17) darüber, dass das Dezernat für Bürgerbeteiligung „krachend gescheitert“ ist und Wuppertal den Eintrag in das Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler beschert hat.

Jetzt dürfen die Bürger im Rahmen eines Bürgerbudgets (Steuer-)Geld ausgeben und über eine „Auto freie Luisenstraße“ diskutieren. Natürlich ohne strategische Vorgaben, Stadtentwicklungskonzept und Verkehrsgutachten.

Noch gruseliger wird es, wenn ein Aufruf an die Bevölkerung erfolgt, Vorschläge für die Benennung des neugestalteten Platzes am Döppersberg einzureichen.
Ebenfalls ohne jede strategische Vorgabe und ohne jede formulierte Zielsetzung.

Seit geraumer Zeit wird angemahnt, der Anziehungskraft des Neuen Döppersberg eine attraktive Innenstadt entgegen zu setzen. Doch eine Idee, ein Konzept, einen Masterplan sucht man vergebens. Also gibt man die Verantwortung ab und beteiligt die Bürger an der Planlosigkeit, indem man fragt „Wie soll der Platz am Döppersberg heißen?“. Ja - ist das denn wirklich losgelöst von allen weiteren Fragen eines Stadtentwicklungskonzeptes oder einer Stadt-Marketing-Konzeption, mit der sich Wuppertal nach innen und außen präsentiert?

Der „Schwarze Peter“ bleibt dann bei dem (fachkundigen?) Ältestenrat, der nach „Gefühl und Wellenschlag“ (z.B. Häufigkeit der Nennung, Assoziationskraft, Prägnanz, Quartiersbezug und so weiter) eine Auswahl treffen soll.
Unprofessioneller geht es nun wirklich nicht mehr.

Wo bleiben die Fragen nach dem Anspruch, nach der Zielsetzung dieses größten Bauvorhabens, das Wuppertal unter schwersten politischen und finanziellen Bedingungen in letzter Zeit (erfolgreich?) umgesetzt hat? Wollten wir uns damit nicht nach innen und außen neu positionieren? Wollten wir nicht den kulturellen Anspruch, die wirtschaftliche Kraft, den Aufbruch und die Dynamik Wuppertals deutlich machen und uns in den Kreis der angesehenen und interessanten Städte zurückmelden?

Das Interessante:
In dem gleichen Newsletter (27.10.17), in dem die Stadt zur Namensfindung aufruft, berichtet sie stolz darüber, dass Wuppertal als „europaaktive Kommune“ ausgezeichnet wurde.

Das würde zumindest einen früheren Vorschlag bestätigen, den Blick über den Tellerrand zu werfen und Wuppertal mit hohem Anspruch als bedeutende Stadt Europas zu positionieren.

„Europaplatz Wuppertal“
(Platz des vereinten Europas) wäre also das Wenigste, was vom Anspruch her zu Zeiten des Brexit zu akzeptieren wäre.

Aber auch auf diesem Niveau gibt es natürlich Alternativen:
Platz der Nationen
Platz des Europäischen Aufbruchs
Platz der kreativen Wirtschaft (von Schwebebahn bis w-tec)
Platz der Bergischen Wissenschaft
(vom Wuppertal-Institut mit der Schwebebahn 2.0 (Seilbahn) zur Bergischen Universität) etc.

Entscheidend ist es, mit dem offiziellen (!) Namen den Anspruch der Stadt deutlich zu machen und diesen Anspruch offensiv nach außen zu tragen. Ausgangslage, Aufgabenstellung, Zielsetzung nennen wir das im Marketingbereich.
Und daraus entwickeln sich klare Kriterien zur Bewertung der eingereichten Vorschläge.

Über die Zielsetzung und eindeutige Bewertungskriterien müsste also zuerst gesprochen werden. Sie sollten der Filter sein, der die Vorschläge in die richtige Richtung lenkt und die Vorgabe an Ältestenrat und Politik bei der Auswahl und Beurteilung.

Denn mit dem Namen werden die Stadt Wuppertal und die Kommunikation über und zu Wuppertal sehr lange leben müssen. Das sollte man nicht dem Zufall im Rahmen einer Tombola überlassen. Der Volksmund wird seine eigenen Namen finden, um damit Nähe, Sympathie oder Antipathie auszudrücken. Döps, Primark-Bunker, Outlet-City oder -Platte wird nicht zu verhindern sein. Derartige Bezeichnungen sollten aber nicht unbedingt im offiziellen Sprachgebrauch auftauchen, sondern mit einem selbstbewussten, eindrucksvollen und starken Namen abgefedert werden.

Aber wir wissen ja: Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden!

Und wenn dann alles nicht funktioniert, gibt es aus (Stadt-)Marketing-Sicht noch einen konkreten Vorschlag für eine neutrale Ausweichlösung:
„Wuppertal - Himmelsreich-Platz“.

Denn des Bürgers Wille ist sein „Himmelreich“ – oder?

WUPPERTAL, die Erlebnisstadt* mit der Schwebebahn.

*Erlebnis:
„Neuer Döppersberg“

 Ihr Vok Dams.

 

 

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