Der kleine Louie Der kleine Louie Alexande Schillack

Perfekter Hund? Kriterien für die Auswahl des richtigen Hundes

Kurz bevor ich meinen zweiten Hund Louie, einen Appenzeller Sennenhund – Deutsch Drahthaar Mischling, gekauft habe, hatte ich auch ins Auge gefasst, mir einen Dalmatiner zu kaufen. Da mein erster Hund Balou, Boxer – Schäferhund Mischling, sehr stark auf jegliche Außenreize reagiert, wollte ich als Zweithund auf jeden Fall einen Hund haben, der sich deutlich mehr an mir orientiert. Doch wie finde ich den Hund, der perfekt zu mir passt?

Ich habe mich in dieser Zeit zum ersten Mal intensiv mit den verschiedenen Rassen und ihren Ansprüchen, ihren Eigenarten, den genetischen Dispositionen und ihrer ursprünglichen Aufgabe im Zusammenleben mit uns Menschen beschäftigt. Doch nicht nur die Rasse, sondern vor allem auch die Charaktereigenschaften des Individuums machen einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtbildes aus.

Welpe oder adultes Tier?

Zu Beginn der Suche stellte ich mir folgende Frage: Möchte ich einen Welpen, einen Junghund oder ein bereits ausgewachsenes Tier. Natürlich ist ein Welpe erst einmal furchtbar süß, doch viel entscheidender für mich als Trainer war, dass ich einen Welpen von Beginn an formen und erziehen kann. Ich hatte in meiner Selbstständigkeit genug Zeit, um mich um den Kleinen zu kümmern, er war schon als Welpe mit bei der Arbeit und konnte sich so perfekt an die Atmosphäre und seinen „Job“ gewöhnen. Hundeanfängern/ innen rate ich in meiner Arbeit meistens dazu, einen erwachsenen, genügsamen Vierbeiner aus dem Tierschutz zu nehmen. Dieser bringt meist schon etwas Erfahrungen im Umgang mit anderen Hunden und Menschen mit und macht dem Halter/der Halterin den Start in die gemeinsame Zukunft dadurch im besten Falle leichter.

Welche Rasse eignet sich für mich?

Unabhängig vom Geschlecht des Tieres ist erst einmal die Rasse ein riesiger Faktor bei der Wahl des richtigen Hundes. Wie bereits erwähnt, wollte ich bei meinem Zweithund auf jeden Fall ein Tier finden, was sich viel an mir orientiert und möglichst wenig auf Außenreize reagiert. Herdenschutzhunde, gewisse Jagdhunde und andere Rassen, die darauf selektiert wurden, selbstständig zu arbeiten, vielen somit aus dem Raster. Da ich mit einigen Rasseverbänden und die Richtung, in die sich deren Standards entwickeln, nicht einverstanden bin, kamen viele reinrassige Hunde für mich nicht in Frage. Dazu muss ich sagen, dass ich mit zwei Berner-Sennenhunden aufgewachsen bin, die nacheinander ziemlich früh an Krebs gestorben sind. Insgesamt hatte ich mich mit dem Gedanken angefreundet, einen Hund zu adoptieren, statt zu kaufen. Bei meiner Suche stieß ich auf eine Anzeige. Etwas sorglose Hundebesitzer hatten die Sprung- und Willenskraft eines Deutsch Drahthaar Rüden unterschätzt, der durch den Zaun eine läufige Appenzeller Sennenhündin zu Gesicht bekam. Das Resultat waren 8 Welpen. Für mich war neben der richtigen Rasse vor allem auch der Charakter des Tieres entscheidend. Ich würde nie sagen, dass man anhand der ersten Wesenszüge eines Welpen zu 100% erkennen kann, wie sich der Hund als adultes Tier verhalten wird; dennoch lassen sich erste Tendenzen ableiten. Vereinfacht gesagt kann man davon ausgehen, dass etwa ein Drittel Veranlagung, und zwei Drittel des späteren Charakters auf die gemachten Erfahrungen zurückgehen. Gewisse Dinge, wie die Anfälligkeit des Stresssystems des Hundes werden pränatal, also vor der Geburt festgelegt. Welpen, die im letzten Trächtigkeitsdrittel eine besonders gestresste Mutter hatten, entwickeln sich eher zu stressanfälligen Hunden, als solche, die eine Mutterhündin ohne besondere Stresseinwirkung hatten. Weiterhin haben beispielsweise Weibchen, die im Mutterleib zwischen Männchen gelegen haben, einen höheren Testosteronspiegel als solche, die unter ihresgleichen waren. Um gewisse Verhaltenstendenzen zu erkennen, empfehle ich, die Welpen in einem Alter von 7-10 Wochen in regelmäßigen Abständen zu beobachten.

Wenn man diese Chance nicht bekommt, wissen die Hundehalter/Züchter meist, welche Tiere eher aufgeweckt, und welche eher zurückhaltend sind. Mit ein paar Fragen und guter Beobachtung kann man so auch bei einem Besuch ein passendes Tier finden. Grundsätzlich rate ich aber dazu, eine/n Trainer/in mit in die Auswahl des passenden Tieres einzubeziehen.

Aktive Mädchen, verschlafene Jungs

Was mir bei meinen Besuchen des Wurfes auffiel, war, dass beim Klingeln stets die gleichen vier Hunde in Richtung Türe rannten. Der Wurf bestand aus acht Welpen, die zu gleichen Teilen in Männchen und Weibchen aufgeteilt waren. Es waren die vier Mädchen, die sehr neugierig und forsch daherkamen. Wobei man sagen muss, dass es in diesem Falle Zufall war, dass es nur Mädchen waren; die Neugierde und inwieweit der Hund auf Außenreize reagiert, hängt keinesfalls vom Geschlecht ab. Für welches Geschlecht ich mich entscheide, ist reine Geschmacksache und wirkt sich nicht pauschal auf das Verhalten des Hundes aus. Nach drei Besuchen bei der Familie habe ich mir für Louie entschieden, weil er sehr ruhig und gelassen auf verschiedene Situationen, wie z.B. Besuch, ungewohnte Geräusche und auf den Arm nehmen, reagierte.

Was bleibt?

Die Auswahl des richtigen Hundes ist gar nicht so einfach, wie man anfangs vielleicht vermuten würde. Es ist jedoch besser, anfangs ein wenig Zeit zu investieren, sich nach guten Züchtern zu erkundigen oder einen sachkundigen Trainer bei der Auswahl mit einzubeziehen. So muss ich unter Umständen zwar ein wenig länger auf meinen Schützling warten, kann jedoch sicher sein, dass die Vorraussetzungen für ein harmonisches Miteinander optimal sind. Mindestens so wichtig wie die Hunderasse ist der Charakter des Hundes.

Vita:

Alexander Schillack ist Verhaltensberater für Hundebesitzer und spezialisiert auf die Optimierung von Mensch-Hund-Beziehungen. Mit seiner mobilen Verhaltensberatung www.Hundeschule-Care.de ist er in 42119 Wuppertal ansässig.

Hofaue 75 | 42103 Wuppertal
| 0202 75 89 03-30
| Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!