Was für eine Beziehung habe ich zu meinem Hund?

 „Du bist mehr Trainer als Hundemensch“ - Dieser Satz hat mich in der letzten Woche dazu veranlasst, ein wenig über meine Beziehung zu meinen Hunden nachzudenken. Was ich für meine Hunde darstellen möchte, und welche Art von Beziehungen andere Menschen zu ihren Hunden haben, waren die wesentlichen Punkte meiner Gedanken. Ein wichtiges Thema, denn die meisten Verhaltensprobleme von Hunden oder Probleme zwischen Hund und Halter entstehen aufgrund von Beziehungsproblemen. Ungeklärte Beziehungen, falsche Beziehungen und ein falsches Verständnis von Mensch–Hund Beziehungen sind ursächlich dafür.

Wie eine gute Beziehung zwischen Mensch und Hund aussehen sollte

Um genauer zu verstehen, wie eine Mensch–Hund Beziehung aussehen sollte, beschäftigen wir uns vorab ein wenig mit der Entstehung von Bindungen und der Auswahl von Bindungspartnern. Als Bindung bezeichnen die meisten Hundehalter ihre besonders intensive Beziehung zu ihren Vierbeinern. Doch nicht jede Beziehung ist eine Bindung. Klassische Merkmale der Bindung ist z.B. die Unterstützung des Sozialpartners in besonders stressigen Situationen. Hunde fangen ungefähr mit der 14. Woche an zu fremdeln, das heißt, sie unterscheiden zwischen bekannten und fremden Personen. Vorher sind gewissermaßen alle Menschen erstmal spannend und attraktiv. Unsere Hunde können sich ja meistens nicht dazu entscheiden, in welche Familie, oder mit welchen Menschen sie zusammenleben wollen. Anders als z.B. Wölfe, bei denen es häufig vorkommt, dass heranwachsende Wölfe das Rudel verlassen, um ihre eigene Gruppe zu gründen, ist es bei Hunden nicht vorgesehen, dass sie die Gruppe irgendwann verlassen. Auch bei Wildhunden oder verwilderten Haushunden ist dieses Abwandern nur sehr selten zu beobachten. Die Hunde haben also bei der Auswahl ihrer Bindungspartner eine nur eingeschränkte Wahl. Dabei müssen wir uns vor Augen führen, warum Hunde überhaupt in Gruppen zusammenleben. Das Überleben und Leben ist einfacher in der Gruppe. Die Nachteile sind geringer als die enorm großen Vorteile, die so ein Gruppenleben mit sich bringt. Wir können uns verabschieden von den Gedanken, dass Hunde allein aus Liebe zum Menschen existieren und sie uns bedingungslos lieben, egal was passiert. Im Grunde genommen sind es die persönlichen Vorteile, die ein Gruppenleben attraktiv machen. Bindungen: Geben und Nehmen Wenn wir für unseren Hund ein attraktiver Bindungspartner sein wollen, dann müssen wir ihm auch etwas bieten. Der alleinige Zugang zu Futter sei hier als nicht ausreichend (in den meisten Fällen) genannt. Sicherheit, Gruppenzusammenhalt, Spiel, Sozialkontakt. Diese Aspekte werden häufig übersehen oder als unwichtig erachtet. Wer beim Spaziergang ständig nur auf sein Smartphone guckt und sich nicht mit seiner Umwelt und seinem Hund beschäftigt, der muss sich nicht wundern, wenn dieser die „Kontrolle übernimmt“ und mich nicht als Führungsperson akzeptiert. Dabei ist es gar nicht so schwer, einen wertvollen Bindungspartner für unseren Hund darzustellen.

Für den Hund als Bindungspartner attraktiv werden

Zuerst ist zu nennen, dass eine gute Bindung nur entstehen kann, wenn beide Sozialpartner sich auf die Interaktionen des anderen einlassen. Die Mär, dass wir als Mensch allein entscheiden müssen, wann, wo, wie und wie viel mit dem Hund interagiert wird, das heißt, er gestreichelt wird oder dass wir mit ihm spielen z.B., dürfen wir getrost vergessen. Leider ließt und hört man auch heute noch immer die Worte „du musst ihn ignorieren – sonst wird er dominant“ oder Ähnliches. Natürlich darf ich dem Hund hin und wieder mal sagen, wenn ich keine Lust auf Spielen oder Streicheln habe und er sich hinlegen soll. Ignoriere ich ihn aber dauerhaft und vollständig, wird sicher keine gute Bindung zwischen ihm und mir aufgebaut. Dass bestätigte auch Theresa Rhen, schwedische Doktorandin in einem Versuch. Sie wies Hundehalter an, den Hunden nach einer längeren Zeit der Trennung auf verschiedene Art und Weise zu begegnen. Entweder ignorierend, nur mit Worten, oder mit Worten und einer körperlichen Begrüßung. Das für die Bindung zuständige Hormon Oxytocin stieg nur bei der umfassenden Begrüßung so richtig an.

Individualität statt unzureichender Kopie

Auch müssen wir nicht die eine Person nachahmen, die eine offensichtlich gute Beziehung zu dem Hund hat. Viel sinniger wäre es hier, bestimmte Dinge dem Hund allein von mir zugänglich zu machen. Die Rede ist hier von einem besonders spannenden Spiel oder Spaziergang, einfühlsamen Streicheleinheiten oder besonderen Trainingseinheiten (z.B. Hindernisspacours). Zwar können auch Hundehalter, die nicht wie kompetente Führungskräfte auf ihre Hunde wirken, eine gute Bindung zu ihrem Hund aufbauen. Doch gerade für unsichere Hunde ist der Aspekt der Sicherheit, die ihr Bindungspartner ihnen vermitteln kann, nicht zu unterschätzen. Eine konsequente Handlungsweise und das Verständnis für das Ausdrucksverhalten des Hundes helfen hier ungemein.

All das versuche ich auch meinen Kunden zu vermitteln. So finde ich es gar nicht so schlimm, nicht als klassischer Hundemensch, sondern eher als Trainer rüberzukommen

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