Shanti Shanti Gereon Bohlmann

Ein Leben ohne Statusanzeige

Shanti ist eine Mischlingshündin, die über eine Tierschutzorganisation aus Spanien nach Deutschland gekommen ist. Obwohl sie anderen Hunden gegenüber zutraulich und aufgeschlossen auftritt, machen diese häufig erst einmal einen großen Bogen um Shanti. Aber warum?

Dies liegt vor allem daran, dass Shanti keine Rute besitzt. Die Rute ist für den Hund ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel, zeigt es doch den Status bzw. das vorhandene Selbstbewusstsein oder Selbstverständnis des Hundes an. Vereinfacht kann man sagen: Je höher die Rute, desto selbstbewusster oder statussicherer ist der Hund. Kann der Hund sich optisch nicht eindeutig ausdrücken, kann es zu Verwirrungen bei Hundebegegnungen kommen. Kein Wunder also, dass der ein oder andere Hund Shanti zunächst aus der Ferne beobachten möchte, um sie besser einschätzen zu können.

Rassebedingte Besonderheiten

Ob Shanti die Rute durch einen Unfall verloren hat, oder ob es sich um einen Geburtsfehler handelt, ist nicht geklärt. Auch andere Hunde(-rassen) werden aufgrund ihres Phänotyps durch Artgenossen missverstanden. Wenn wir bei der Rute bleiben, sollte man z.B. Huskys erwähnen, die mit ihrer stets aufgestellten Rute für andere Hunde unter Umständen provokant wirken können. Nicht selten berichten mir Kunden, die einen Hund besitzen, der Probleme mit Hundebegegnungen hat, dass Huskys besonders problematisch für ihre Hunde sind.


Eine weitere Rasse, die für andere Vierbeiner schwer einzuschätzen ist, sind Rhodesian Ridgebacks. Der Kamm auf dem Rücken ähnelt der Bürste, also dem Aufstellen der Haare bei hoher Erregung. Auch wenn ein Ridgeback komplett entspannt ist, könnte so er fälschlicherweise einen anderen Eindruck vermitteln.

Viele Rassen haben mit Schwierigkeiten bei der Kommunikation zu kämpfen. Ob deformierte Schnauze (z.B. Shar Pei, Mops, französische Bulldogge usw.), Ridge auf dem Rücken (Rhodesian Ridgeback), hochliegende Rute (z.B. Husky, Chowchow, Eurasier) oder Haare im Gesicht (z.B. bearded Collie, Doodles, Komondor). All diese „Besonderheiten“ gehen auf die Selektion bei der Zucht durch den Menschen zurück. Deswegen sollten wir uns die Frage stellen, welche Entwicklungen wir bei der Zucht unterstützen wollen und welche Bürde wir den Vierbeinern auferlegen, wenn wir sie derart verfremden und ihre natürliche Kommunikation für sie erschweren.

Regelmäßiger Sozialkontakt hilft

Für den betroffenen Hund kann die nicht immer reibungslos laufende Kommunikation mit Artgenossen eine große Belastung sein. Wir müssen uns nur vorstellen, wie es uns ginge, wenn uns andere Menschen ständig mit Argwohn oder Unsicherheit begegneten. Damit Shanti nicht zu häufig negative Erfahrungen mit fremden Hunden machen muss, wird es für sie wichtig sein, regelmäßigen Sozialkontakt zu souveränen Tieren zu bekommen.

Für ein gutes Sozialverhalten allen Rassen und beeinträchtigten Hunden gegenüber, ist eine gute Sozialisation in der Welpenschule daher unerlässlich. So können die kleinen Vierbeiner spielerisch erlernen, positiv mit verschiedenen Artgenossen umzugehen.

 

Vita 

Alexander Schillack ist Verhaltensberater für Hundebesitzer und spezialisiert auf die Optimierung von Mensch-Hund-Beziehungen. Mit seiner mobilen Verhaltensberatung www.Hundeschule-Care.de ist er in 42119 Wuppertal ansässig.

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