Balou und seine Rollleine Balou und seine Rollleine Alexander Schillack

Der Teufel trägt … Rollleine

Bin ich ein schlechter Hundehalter, wenn ich eine Rollleine benutze? Nicht unbedingt. Doch muss man das Werkzeug begreifen und sinnvoll einsetzen. Dann kann sie einen echten Mehrwert auf dem Spaziergang bieten.

Wuppertal, 13.Januar 2018: Ich habe mal in einem Buch „Welpenschule“ eines großen deutschen Verlages gelesen, dass Hundebesitzer, die ihren Hund an der Rollleine laufen lassen, den Hund quasi auch gleich erschießen könnten. Gefährlicher als mit Rollleine sei eigentlich nur noch, den Hund mit verbundenen Augen über die stark befahrene Straße zu schicken. Von Materialfehlern, wo die Stoppfunktion nicht richtig funktionierte, und der Hund auf die Straße gelaufen ist, bis hin zu kleinen Hunden, die durch vorbeifahrende LKW und dem erzeugten Fahrtwind wie ein Drache an der Schnur in die Luft geschleudert wurden, standen in dem Fachbuch allerlei Gruselgeschichten über den Einsatz von Rollleinen drin. Gott sei Dank, wiegt Balou, der ab und zu an der Rollleine läuft, so um die 40Kg, sodass er sein Dasein wohl nicht als Lenkdrache an einer Schnur fristen muss. Zu schwer.

Wie eigentlich alle Werkzeuge oder Hilfsmittel, die in der Hundeerziehung eingesetzt werden können, liegt auch bei der Rollleine die Crux in der Benutzung. Ich habe selber die Erfahrung gemacht, dass der Gerhorsam des Hundes im Freilauf darunter leidet, wenn man wahllos auf den Stopp-Knopf drückt und den Hund nach links, rechts oder nach hinten zieht, anstatt ihn ganz normal zu rufen. Um den richtigen Einsatz zu gewährleisten, möchte ich ein paar Verhaltensregeln für uns Hundebesitzer aufstellen.

Die Leine ist nur eine Absicherung

Wie gerade angedeutet, liegt der größte Fehler, den ich schon öfter beobachten konnte (auch bei mir selbst), darin, zu wenig mit dem Hund zu kommunizieren. Anstatt direkt die Leine zu benutzen, sollte ich mir vorstellen, der Hund läuft ganz frei, ohne Leine. Dann würde ich den Hund ja erstmal rufen, wenn ich etwas von ihm möchte. Reagiert der Hund dann nicht, sollte ich den Hund verbal ermahnen. Reagiert der Hund auch auf meine verbale Ermahnung nicht, kann ich mit der Leine eingreifen. Inwieweit ich eingreife, sprich, ob ich einen Leinenruck anwende (ganz gleich welcher Intensität) oder ob ich nur das Weiterlaufen des Hundes stoppe, hängt von Hund, Halter und persönlicher Überzeugung ab.

An der Straße die Leine feststellen

Ein häufiger Kritikpunkt ist auch, dass die Leine es zulässt, dass der Hund zu weit vorläuft. Gerade an der Straße kann dies gefährlich werden. Läuft der Hund fünf Meter nach vorne, kann er eben auch fünf Meter zur Seite laufen, ohne, dass ich es verhindern kann. Mein Tipp: An der Straße die Leine feststellen. Jede Rollleine besitzt eine dauerhafte Stoppfunktion, mit der ich die Leine auf zB. 1,2m feststellen kann. Dann kann ich sie wie eine ganz normale Leine benutzen und die normalen Regeln der Leinenführigkeit gelten wie gehabt. Das selbe gilt für schlecht oder gar nicht einsehbare Stellen wie z.B. Kurven oder Straßenkreuzungen. Auch hier sollte ich den Hund kurz nehmen.

Eigentlich reichen diese beiden Verhaltensweisen, um die Rollleine zur echten Bereicherung für den Hundespaziergang zu machen. Denn, der Hund hat mit der Rollleine deutlich mehr Freiheiten als mit der „normalen“, kurzen Hundeleine. Dabei möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ein freilaufender Hund natürlich das beste ist. Auch ich lasse meine Hunde fast überall und so oft es geht freilaufen. Doch habe ich den Einsatz der Rollleine zu schätzen gelernt, als ich immer häufiger zwischen zwei Einzelstunden in der Hundeschule meine Hunde in einem für mich unbekannten Gebiet ausführen musste. Ist dort dann nur der Stadtpark und besteht dort Leinenpflicht, hat mein Hund somit immerhin noch ein bisschen mehr Auslauf, als nur an der kurzen Leine.

Für gewisse Situationen und richtig eingesetzt kann die Benutzung der Rollleine also durchaus sinnvoll sein!

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