Gereon Bohlmann Gereon Bohlmann

Belohnung? - Ja, aber dann richtig!

Bei der Arbeit mit Hunden kommt es viel auf die richtige Motivation an. Belohnungen können eine sehr wirksame Methode sein, um ein gewünschtes Verhalten zu verstärken.Dafür müssen sie allerdings bedacht und richtig eingesetzt werden.

Ein Überblick:

Die richtige Belohnung

Die richtige Belohnung zu finden, ist gar nicht so einfach. Je nach Situation und je nach Hund kann die richtige Belohnung ein Leckerchen, ein Spiel, ein Rennen, ein Zerren, Leckerchen suchen, Weglaufen oder sonst irgendeine positive Sache für den Hund sein. Stumpf immer nur einen kleinen Brocken Trockenfutter in den Hund hineinzuwerfen kann also – muss aber nicht – zu Verbesserungspotential führen. Natürlich können wir nicht alle Belohnungsarten zu jeder Zeit anbieten, es sei denn, wir wollen eine riesige Tasche mit allen genannten Dingen mitführen. Es gilt also, den eigenen Hund ein bisschen zu kennen und ihm etwas anderes anzubieten, wenn er zu den zahlreichen Leckerchen-Verweigerern gehört. Eine Gute Taktik, die richtige Belohnung für den Hund zu finden, ist es, sich in den Hund hineinzuversetzen und zu versuchen zu verstehen, welche Motivation ihn gerade antreibt. Ein kleines Beispiel: Ich laufe mit meinem angeleinten Hund auf die Hundewiese, wo seine Kumpel alle so richtig schön toben. Da mein Hund sozialverträglich ist, die Wiese groß genug ist, und sich niemand sonst in der Nähe befindet, darf mein Wuffi mitspielen. Vorher möchte ich jedoch ein Sitz von ihm sehen, damit ich ihn in Ruhe ableinen kann. Der Hund hat schon jetzt nur die anderen Vierbeiner im Blick und kann sich kaum konzentrieren. Fraglich, ob ich hier - sofern es sich nicht um einen Beagle oder Labrador handelt ;) - mit Leckerchen richtig bin. Intuitiv würde ich vermuten, der dringlichste Wunsch des Hundes ist, sofort mit seinen Freunden spielen zu dürfen. Setze ich als Belohnung das Freizeichen, also die Erlaubnis, dass er jetzt mittoben darf, wird sich bei ähnlichen Situationen schnell ein großer Erfolg einstellen.

Das richtige Timing

Genauso wichtig wie die richtige Belohnung an sich, ist der Zeitpunkt, zu dem ich belohne. Man geht davon aus, dass der Hund ca. 2 Sekunden eine Belohnung mit einer vorausgegangenen Handlung verknüpfen kann. Am besten funktioniert diese Verknüpfung bei einer zeitlichen Differenz von ca. 0,5 Sekunden zwischen Handlung und Belohnung. Diese einzuhalten ist nicht immer einfach, erfordert etwas Übung und Aufmerksamkeit. Da es, wenn der Hund weiter als 1 Meter von uns entfernt ist, nicht möglich ist, in dieser kurzen Zeit die passende Belohnung zu geben, können wir sogenannte sekundäre Verstärker zu Hilfe nehmen. Der bekannteste sekundäre Verstärker ist der Klicker. Genauso wie ein Klicker funktioniert aber auch ein „fein“, welches ich möglichst immer gleich sage. Der Hund lernt, dass nach dem Klick, oder nach dem „fein“ eine Belohnung zu erwarten ist. Dies muss natürlich im ersten Schritt konditioniert werden, dann steht einer zeitlich korrekten Belohnung jedoch nichts mehr im Wege.

Wieso Belohnung?

Wann sollten wir überhaupt ein Verhalten belohnen? Grundsätzlich ist es so: Immer wenn der Hund ein von uns gewünschtes Verhalten zeigt, wird eine Belohnung das Zeigen dieses Verhaltens für den Hund attraktiv machen und so die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten erhöhen. Dennoch sollten wir darauf achten, dem Hund keine falschen Handlungsketten beizubringen. Ein kleines Beispiel: Ich beobachtete einmal eine Frau, die einen Hund bei sich hatte und an einer Haltestelle auf die Bahn wartete. Dem Hund war schnell und offensichtlich etwas langweilig, und er überlegte, wie er die Situation ein wenig aufpeppen könne. Er fing an zu bellen. Frauchen reagierte sofort, zeigte ein Handsignal und der Hund war sofort ruhig. Zack, bekam er ein Leckerchen. Die Frau hatte perfektes Timing. Der Hund wurde offensichtlich und perfekt dafür belohnt, dass er aufhörte zu bellen. So weit, so gut. Doch 20 Sekunden später bellte der Hund wieder, direkt mit Blick zu seinem Frauchen. Diese ließ nicht lange auf sich warten und zeigte das Handsignal erneut. Wieder war das Timing gut, der Hund hörte auf und bekam ein Leckerchen. Hier war deutlich zu sehen, dass die Handlungskette ich belle + ich werde gebeten leise zu sein + ich bekomme ein Leckerchen sehr gut abgespeichert war. Trotz sorgfältiger Belohnung und gutem Timing haben wir hier also ein unerwünschtes Ergebnis erzielt.

Belohnen - Bestechen

Ich möchte noch kurz darauf eingehen, dass es durchaus Unterschiede zwischen belohnen und bestechen gibt. Wenn ich belohne, dann gebe ich dem Hund etwas positives, oder der Hund darf etwas (für ihn) positives machen, nachdem der Hund sich korrekt oder gewünscht verhalten hat. Im Gegensatz dazu steht die Bestechung, bei der der Hund im Vorhinein eine Belohnung zu Gesicht bekommt, und sein Verhalten nur zeigt, weil er ebendiese Belohnung haben möchte. Das klassische Beispiel hierfür ist der Hund, der erst zu mir zurückkommt, wenn ich auf der Hundewiese mit der Bockwurst wedele, und schon drei, vier andere Hunde auf meinen Füßen stehen.

Fazit

Grundsätzlich spricht erstmal nichts gegen den Ansatz, den Hund mittels Belohnung zu gewünschtem Verhalten zu bringen. Ich muss nur aufpassen, die Belohnung richtig und gezielt einzusetzen. Denn eine Belohnung bleibt nur spannend, wenn sie etwas besonderes bleibt. Der innere Antrieb des Hundes wiegt meist stärker als die Belohnung, die ich von Außen hinzufügen kann. Somit sollte ich immer versuchen, herauszufinden, welche Interessen mein Hund verfolgt. Dieses können wir dann nutzen, um das Verhalten des Hundes in die richtigen Bahnen zu lenken.

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