Leonid Goldberg (l.) und Sehachwerdjan Gogik Leonid Goldberg (l.) und Sehachwerdjan Gogik Foto: Johannes Rothenhagen

Zwischen Synagoge und Café: Jüdische Kultur in Wuppertal

1861 in Barmen und Elberfeld gegründete Gemeinde hat heute rund 1.850 Mitglieder.

Die jüdische Kultur ist seit vielen Jahrzehnten Teil von Wuppertal. 1861 gründeten die Juden in Barmen und Elberfeld eine Gemeinde, die erst in der Zeit des Nationalsozialismus zerschlagen wurde. Inzwischen ist die jüdische Community wieder stark gewachsen. Rund 2.300 Mitglieder leben im Bergischen Land. 80 Prozent davon in Wuppertal. Wer sich auf Spurensuche begibt, entdeckt in seiner Heimatstadt zahlreiche alte und neue Stätten der jüdischen Kultur.

2002 wurde beispielsweise die Bergische Synagoge in Wuppertal-Barmen eingeweiht. „Dass die Gemeinde so groß ist, liegt daran, dass vor 25 Jahren viele Juden aus der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind“, erklärt Leonid Goldberg, Vorstandsvorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde. In der Synagoge wird die jüdische Kultur auf verschiedene Art und Weise praktiziert. „Dazu gehören beispielsweise traditionelle Tänze, Chöre und Gesangsgruppen, die israelische und jiddische Lieder proben.“

Neben dem Gotteshaus befindet sich das ‚Café Negev‘, das einzige Restaurant im Bergischen Land, in dem koscher gekocht wird. Die Ausrichtung des Cafés ist milchig. Das bedeutet, dass Fisch und Gemüse, aber kein Fleisch auf der Speisekarte stehen. Leonid Goldberg: „Grundsätzlich dürfen Juden alles verzehren, was nach der Thora rein ist: Wiederkäuer und Tiere mit gespaltenen Hufen, Vögel oder alles, was Schuppen und Flossen hat. Aale, Welse und Meeresfrüchte sind nicht koscher.“

Der im Jahre 1895 angelegte Friedhof in der Hugostraße ist ein anerkanntes Denkmal und kann mit spezieller Erlaubnis besucht werden. Jüdische Ruhestätten werden nicht neu belegt, sondern gehören den Angehörigen der Verstorbenen für alle Ewigkeit. Die Grabsteine wurden zum Teil im zeitgenössischen Jugendstil gestaltet und sind mit hebräischen Schriftzeichen und Davidsternen verziert.

"Der jüdische Friedhof zeigt besonders gut, wie die jüdische Kultur in das Leben der Wuppertaler eingebunden war. Hier sind nicht nur Menschen verschiedener Berufe, Schichten und Geschlechter beerdigt, auch bildet er selber zusammen mit dem reformierten Friedhof, der lutherischen Erlöserkirche an der Stahlstraße und der katholischen Marienkirche am Sankt-Martins-Weg in meinen Augen eine Einheit, die sehr schön die religiöse und kulturelle Vielfalt des frühen 20. Jahrhunderts in Wuppertal zeigt“, erklärt Heiko Schnickmann, Schriftführer des Bergischen Geschichtsvereins.

Die Begegnungsstätte ‚Alte Synagoge‘ in Elberfeld ist jederzeit öffentlich zugänglich. „Wir vermitteln in unserem Museum jüdische Geschichte und Kultur für Nichtjuden“, sagt Ulrike Schrader, Leiterin des Museums.

Text: Mirja Dahlmann

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