Der Lochschnüffler erschnüffelt auch das kleinste Loch Der Lochschnüffler erschnüffelt auch das kleinste Loch Foto: Cyclehack Wuppertal

Kleine "Radhilfen" für ein fahrradfreundliches Wuppertal

Studenten der Bergischen Universität Wuppertal organisieren Wuppertals ersten Cyclehack und holen somit die weltweite Bewegung ins Bergische. Dabei entwickelt wurden praktische Hacks wie Lochschnüffler und Tetrapack-Flicktaschen.

Wuppertal entwickelt sich mehr und mehr zur Fahrradstadt. Doch trotz Nordbahntrasse, Reparaturcafé oder Critical Mass Radfahrten ist Wuppertal noch weit davon entfernt, als wirklich fahrradfreundlich zu gelten. Um das Leben der Zweiradfahrer in Wuppertal etwas einfacher zu gestalten, organisierten Wuppertaler Design-Studenten den allerersten Cyclehack im Tal. Das Wort Cyclehack stammt ab von dem Begriff Lifehack. Aus Lifehacks entstehen Cyclehacks, kleine Fahrrad-Hilfen, die das Radfahren erleichtern und attraktiver machen sollen.

An Wuppertals erstem Cyclehack wurden 48 Stunden lang Ideen gesammelt, getüftelt und geprüft. Rund 40 Teilnehmer nahmen an Vorträgen und Workshops teil und schöpften ihr kreatives Potential aus, um Wuppertals Fahrradfreundlichkeit zu steigern. „Die ganze Veranstaltung war wesentlich erfolgreicher, als ich es mir vorgestellt hatte“, berichtet Alexander Kaymer begeistert. Als Mitinitiator und Designstudent der Bergischen Universität war er bei der Veranstaltung am Mirker Bahnhof die kompletten 48 Stunden lang im Einsatz.

In Workshops wurde technisches Grundwissen vermittelt, um die Ideen später umzusetzen

Doch was kommt dabei heraus, wenn rund 40 fahrrad-begeisterte Menschen drei Tage lang zusammensitzen und rund um die Uhr nur ein Thema haben: das Fahrrad?
„Relativ schnell haben sich Interessengruppen entwickelt“, berichtet Alexander. „Da gibt es Leute, die die Berge nicht mögen, Leute, die über Treppen diskutieren und wiederum andere, die kein Geld für ein Fahrrad haben, aber trotzdem gerne fahren möchten.“

In verschiedenen Workshops brachten die Teilnehmer zuerst einmal ihr technisches Wissen auf den neusten Stand. Zwischen Workshop-Namen wie ‚Der E-Biker‘, ‚Die Visionäre‘ oder ‚Der Recycler‘ konnten sich die Cyclerhacker nach ihren Interessen orientieren. Doch nicht nur die angemeldeten Teilnehmer schienen neugierig auf neue Cyclehacks zu sein. „Immer wieder kamen Leute neugierig von der Trasse aus zu uns herein und haben mit angepackt. An den Rädern des Radverleihs konnten wir die Cyclehacks dann direkt am Objekt entwickeln und testen“, schwärmt Alexander Kaymer.

Dabei herausgekommen sind allerlei praktische Dinge: Mit Hilfe des ‚Lochschnüfflers‘ lassen sich kleine Löcher im Fahrradschlauch schnell aufspüren. Entweicht an einer Stelle des Reifens Luft, beginnen die kleinen Styroporkügelchen in der Kreisförmigen Apparatur zu zirkulieren und zeigen somit sofort, an welcher Stelle sich das Loch befindet.
Aus Tetrapacks bastelten die Cyclehacker kleine Flickzeug-Taschen, die am Rad oder auch am Gürtel befestigt werden können. „Eine Flickzeug-Tasche im Laden kostet bereits 20 Euro, da ist unsere Alternative wesentlich kostengünstiger und ebenfalls wetterfest“, erklärt Kaymer.

Berge überwinden: ein Uni-Pedelec-Verleih bringt Studenten mit dem Fahrrad hoch zum Campus

Wuppertals vordergründiges Problem sind jedoch nach wie vor die Berge. „Kein Student fährt freiwillig mit dem Fahrrad hoch zum Campus Grifflenberg“, weiß Alexander Kaymer aus eigener Erfahrung. Aus diesem Grund entwickelten die Cyclehacker ein E-Bike, ein sogenanntes Pedelec mit einem Akku, der sich während des Bergabfahrens automatisch auflädt. „So kommen die Studierenden schnell den Berg runter und mit elektrischer Unterstützung auch ohne große Anstrengung wieder herauf.“ Das erste Modell soll bald als Test-Pedelec oben an der Uni stehen. Kommt es bei den Studierenden gut an, planen die Ideengeber einen Uni-Pedelec-Verleih.

Innovativ scheint auch die Fahrrad-App, die Wuppertals Fahrradwege auf einen Blick zusammenfasst und zusätzlich auf Schlaglöcher oder andere Hindernisse aufmerksam macht. „Ideen wie die Fahrrad-App wurden in Zusammenarbeit mit den Tüftlern von dev.tal entwickelt und werden auch in Zukunft noch weiterverfolgt“, weiß Kaymer.
Als Mitorganisator ist er sehr stolz darauf, was er und seine Kommilitonen auf die Beine gestellt haben. „Ich denke wir haben schon ein bisschen dazu beigetragen, die Stadt fürs Fahrradfahren zu sensibilisieren.“

Text: Hannah Florian

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