Dirk Fromm, ein echter Schleifer Dirk Fromm, ein echter Schleifer Foto: Frank Sonnenberg

Der Schleifer aus dem Manuelskotten

Schleifer im Manuelskotten ist ein Job für Hartgesottene und Frühaufsteher. Der historische Schleiferkotten im Kaltenbachtal in Cronenberg ist als Museum ein beliebtes Ausflugsziel. Was die wenigsten wissen: Dort wird noch richtig hart gearbeitet.

Wuppertal, 18.03.2019 -  5.00 Uhr morgens. Leise plätschert das Wasser des Baches vor sich hin. Ab und zu hört man ein Käuzchen in der Morgendämmerung. Um diese Zeit betritt Dirk Fromm den Kotten. Klack - ein Dreh am Lichtschalter, der noch ein Relikt aus den 50er Jahren zu sein scheint. Das kühle Licht der Neonröhren erfüllt den feuchtkalten Raum.

Er gönnt sich erst einmal eine Zigarette. Ein Ritual für den Start in den Tag. Der Qualm vermischt sich mit dem Geruch des Arbeitsplatzes: Metallabrieb, Schleifstaub, Öl, feuchte Backsteinwände.

Ein letzter Zug, dann setzt er den mächtigen Schleifstein in Bewegung. Konzentriert beobachtet er die vielen Transmissionsriemen im Raum, die langsam anfangen sich zu drehen. Es dauert, bis alle rundlaufen und der fast 1,5 Tonnen schwere Stein sich in seiner Arbeitsgeschwindigkeit dreht.

Normalerweise wird er über das historische 12speichige Wasserrad angetrieben. Das Wasser aus dem Stauteich hinter dem Gebäude bringt das Rad dabei langsam in Schwung. Über einen Riemenantrieb wird die Kraft zum Stein übertragen.

Stolz ist Dirk Fromm schon, einer der letzten Nass-Knie-Schleifer in Deutschland zu sein. Auch wenn das harte Arbeit bedeutet. Das Bild eines der letzten Malochers drängt sich auf. Nicht zu unrecht.

Das Wasser zum Schleifen ist im Winter eisig kalt. Im Sommer nicht viel wärmer. Wenn das eiskalte Wasser über seine Finger rinnt, sind diese binnen Minuten ohne Gefühl. Mit den Knien und einer speziellen Holzkonstruktion presst er die Metallteile an den mit Wasser benetzten Schleifstein. Diese ungemütliche Tätigkeit im Spritzwassernebel des Steins gibt der Arbeit übrigens ihren Namen.

Dirk Fromm arbeitet bereits seit fast drei Jahrzehnten hier. Auf eine Zahl ist der gelernte Maschinenschlosser besonders stolz: „Rund eine Million Messer und andere Metallteile sind in den Jahren durch meine Hände gegangen.“ Je nach Cutter-Messer für die Fleischwaren-Industrie sind das zwischen 250 g und 8.500 g pro Stück, die er da in die Hand nehmen muss. Daneben bekommt er Aufträge von Privatleuten, die ihre Küchenmesser zum Nachschleifen bringen. Das Schärfen von Rasenmäher-Messern gehört auch zum Service.

Wer möchte, kann nach Vereinbarung einen Blick in seine Arbeitswelt werfen. Die Vintage-Atmosphäre vor Ort löst dann schon mal Reaktionen aus. „Oft bekomme ich gesagt, wie schön ich es doch hier im Tal habe. Ja, schön ist es draußen“, gibt er zu.“ Ein Lächeln huscht über sein markantes Gesicht.

Bald ist wieder Museumsbahn-Saison in der Kohlfurth. An den Aktions-Wochenenden stehen Mitglieder des Fördervereins des Manuelskotten für Führungen bereit. Nur Dirk Fromm trifft man in der Regel dann nicht an. Irgendwann muss man sich ja mal von der schweren Maloche erholen. www.manuelskotten.de

Text: Dirk Sonnenberg

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