Gerald Hacke Gerald Hacke Foto: Nicola Hammer

Gerald Hacke erklimmt mit der "Tonleiter" neue musikalische Sphären

Der Klarinettist Gerald Hacke ist mit einer Konzertreihe zeigenössischer Musik erfolgreich. Der Anstoß dazu kam von Tony Cragg, der ihm aus seinem Kassenhäuschen im Skultpurenpark heraus einen Vorschlag machte.

Es war eine Begegnung der ganz besonderen Art. Und ein Wink des Schicksals. Im Frühjahr 2009 wollten Nicola Hammer und Gerald Hacke, Musiker des Sinfonieorchesters Wuppertal, einen Kultur-Trip durch den Skulpturenpark „Waldfrieden“ starten. Im Kassenhäuschen stand plötzlich Tony Cragg, der Hausherr höchstpersönlich, vor ihnen. Gerald Hacke: „Und da wir uns von einem Besuch in seinem Atelier flüchtig kannten, kamen wir ins Gespräch. Tony erzählte mir, dass er sich im Glas-Kubus seines Parks sehr gut eine Konzertreihe mit zeitgenössischer klassischer Musik vorstellen könne.“ Mit diesem Wunsch war Tony Cragg bei Gerald Hacke genau an der richtigen Adresse.
 
Der Klarinettist und seine Frau, die Fagott spielt, gehören seit 1996 dem Sinfonieorchester Wuppertal an. Er erzählte dem weltbekannten Bildhauer und passionierten Musik-Liebhaber, dass er seit über zehn Jahren Mitglied des Ensembles der „Bergischen Gesellschaft für Musik“ ist, das unter anderem im Foyer des Von-der-Heydt-Museums regelmäßig Konzerte für zeitgenössische Musik gab.
 
Tony Cragg, der Bildhauer und Gerald Hacke, der Klarinettist, waren sofort im Einklang. Sie verabredeten, dass der kreative Musiker ein Konzept für eine Musikreihe erarbeiten sollte. Gerald Hacke: „Das habe ich natürlich sehr gerne getan. Ich habe mir das Thema ‚amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts‘ ausgesucht und dazu Werke, die ich immer schon einmal spielen wollte. Tony Cragg war sofort begeistert und sagte: ‚Okay, wir machen jetzt erst einmal drei Konzerte.“ Und aus diesem musikalischen Deal unter Künstlern sind inzwischen 22 erfolgreiche Konzertabende geworden.
 
Die ‚Tonleiter‘ war geboren. Schon bei der ersten Veranstaltung im Herbst 2009 saßen 130 Zuhörer andächtig und gespannt im Glas-Kubus. Zeitgenössische Musik ist sicher keine leichte Kost. Gerald Hacke gab sich auch gar keinen Illusionen hin: „Der Park und Tony Cragg haben uns enorm geholfen. Allein sein Name weckt Interesse und bürgt für Qualität. Ohne ihn hätten wir nie 130 Besucher zusammen bekommen.“ Die ‚Tonleiter‘ hat unter Musik-Experten inzwischen einen sehr guten Klang. Rund 200 Fans zeitgenössischer Musik sind regelmäßig ganz Ohr, wenn Gerald Hacke seine Konzept-Musik-Reihe, die jedes Mal unter einem anderen Motto steht, präsentiert. Titel wie „Vom Anfang und Ende der Zeit“, „Romantik in der Moderne“, „Einer Amsel zupfeifend“, „Nachtstücke“, „Zwischen den Welten“ oder „Eingefroren in der Erinnerung“ klingen so ungewöhnlich wie die Musik. Doch die Zuhörer sind begeistert. Allen voran Tony Cragg, ein echter Fan, der immer dabei ist, aber im Hintergrund bleibt, um dem Musiker nicht die Show zu stehlen.
 
Gerald Hacke, der gerade das Programm für seine 23. ,Tonleiter´ zusammenstellt, die im Spätherbst 2015 stattfinden wird, freut sich über die große Resonanz: „Wenn ich die Stücke anmoderiere oder spiele, spüre ich eine unglaubliche Wachheit und ein großes Interesse beim Publikum. Viele, die sich früher nur für klassische Werke interessierten, die wir mit dem Sinfonieorchester spielen, haben jetzt ihre Liebe zur zeitgenössischen Musik entdeckt.“
 
Zwei von vielen Highlights der ‚Tonleiter‘ waren der Konzertabend, an dem das Werk „The Companion Guide to Rome“ des jungen US-Komponisten Andrew Norman im Mittelpunkt stand und nicht zuletzt auch die Uraufführung der Komposition ‚Elysion‘, die Detlev Glanert als Auftragsarbeit für Tony Cragg geschrieben hat. ‚Elysion‘ gibt es auf CD im Shop des Skulpturenparks, ebenso wie die CD „Britannia“, auf der musikalische Kleinode von britischen Komponisten wie Oliver Knussen, Mark-Anthony Turnage oder Benjamin Britten verewigt sind. Gerald Hacke greift für seine ‚Tonleiter‘ auf einen Pool von zehn bis zwölf Musikern zurück – auf Kollegen des Sinfonieorchesters Wuppertal und auf Dozenten der Musikhochschule Köln, Standort Wuppertal.
 
Und was treibt ihn selbst an, sich auf eine solche Bühne zu begeben? Gerald Hacke: „Zunächst mein grundsätzliches Interesse an Kunst und Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts. Als Musiker wären wir keine Künstler, wenn wir nicht immer auf der Suche nach neuen Ideen und Ausdrucksmöglichkeiten wären. Neben diesem Ausdruckswillen treibt mich ein Gestaltungswille und der Wunsch, nicht nur die Sinne der Zuhörer zu reizen, sondern auch ihren Verstand anzuregen, damit sie in den Genuss eines erfüllten Konzerterlebnisses kommen. Zeitgenössische Musik kann leidenschaftlich, spielerisch, zart, brutal, transparent oder einfach nur sinnlich sein. Die klangliche und stilistische Vielfalt dieser Musik und die sich daraus ergebenden Spannungen und Kontraste bestimmen unsere Konzerte.“
 
Der Reiz des Neuen - Für Gerald Hacke gibt es nichts Schöneres, als für ein Publikum zu spielen, das sich neugierig auf den Weg ins Konzert macht. Und dass sich Hausherr und Künstler Tony Cragg für zeitgenössische Musik begeistert, wie andere sich für Brahms oder Schubert, das erfüllt den Schöpfer der ‚Tonleiter‘ mit Stolz.
 
www.skulpturenpark-waldfrieden.de 
 
Text: Peter Pionke
Hofaue 75 | 42103 Wuppertal
| 0202 75 89 03-30
| Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!